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Abstecher ins Paradies

Aktualisiert: 7. Jan.

Ende Oktober wollte ich nochmal dem grauen Herbstwetter entfliehen. Von den Kanarischen Inseln ging es mit dem Schiff über den Atlantik in die Karibik. Während in Nordwesteuropa und im Mittelmeerraum Herbststürme tobten, erreichten wir nach 5 Tagen ruhiger See Barbados.


Ankunft auf Barbados


Piraten, Wracks und eine Buddel voll Rum


Barbados ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen. Die Insel war einst Heimat des „Gentlemen-Piraten“ Stede Bonnet, eines reichen und gebildeten Landbesitzers, der sich um 1717 aus Unzufriedenheit mit seinem Eheleben der Piraterie zuwandte. Bonnet war aber nicht nur ein schlechter Ehemann, sondern auch kein guter Seemann und schon gar kein guter Piratenanführer, denn er verlor sein Schiff und seine Mannschaft alsbald an den berüchtigten Seeräuber Edward Teach, der als „Blackbeard“ in die Geschichte einging. Im Gegensatz zu Bonnet verkörperte Blackbeard, der sich gern mit Messern und Pistolen behängt zeigte und vor dem Kampf brennende Lunten in seinen Bart steckte, den Prototypen eines Piraten. Dennoch wird Stede Bonnet auf Barbados und den umliegenden Inseln noch heute verehrt, was durch das Hissen seiner Piratenflagge an den Strandbars gezeigt wird.


Die Flagge des „Gentlemen-Piraten“ Stede Bonnet


Die Zeit auf Barbados nutzte ich zum Tauchen. Im Gegensatz zu den Nachbarinseln ist Barbados nicht vulkanischen Ursprungs, sondern vollständig aus Korallen aufgebaut. Den ersten Tauchgang unternahm ich am Wrack des holländischen Frachters Friars Crag. Aufgrund einer sehr starken Strömung konnte ich das Wrack praktisch nur im vorbeihuschen bestaunen. Deutlich angenehmer war das Wracktauchen in „Gentlemen-Piraten“ Stede Bonne. Hier konnte ich bei einem Tauchgang sechs Wracks besuchen: die Berwind (ein französischer Schlepper aus dem ersten Weltkrieg, der 1919 sank), die Ce-Trek (eine 1996 versenkte Betonschute), die Eillon (ein Drogenschmugglerboot, das 1996 versenkt wurde), die Bajan Queen (ein ehemaliger Hafenschlepper aus den 1960er Jahren, der zum Partyboot umgebaut und um 2002 versenkt wurde), die Cornwallis (ein kanadischer Frachter, der im 2. Weltkrieg von einem deutschen U-Boot versenkt wurde) sowie einen namenlosen Lastkahn. Die Wracks bilden künstliche Riffe und sind voller Leben. Unzählige Fischen bevölkerten den Wrackfriedhof und eine Schildkröte döste vor sich hin.


Eine Gepfleckte Muräne (Gymnothorax moringa) streckt mir ihren Hals entgegen. Muränen sind überall an den Wracks anzutreffen


Ein großer Stechrochen (Dasyatis americana) ruht auf dem Sandgrund der Charlise Bay


Und abends, als die Sonne unterging, ging es an die Bar. Barbados ist bekannt für seinen Rum. Spätestens nach dem dritten Glas sollte das Lied der Flippers - „Die rote Sonne von Barbados“ – mitgesungen werden können.


Dominica: Am Champagner-Riff


Nächstes Etappenziel war die Insel Dominica. Die Vulkaninsel ist geprägt von Bergen, natürlichen Thermalquellen und tropischem Regenwald. Bekannt wurde die Insel als Drehort für die Filme „Fluch der Karibik“. Die bergige Vulkanlandschaft setzt sich als Drop-Off unter Wasser fort. Hier dominieren große, farbenfrohe Schwämme, Fächer- und Hornkorallen. Taucher zieht es vor allem ans Champagner-Riff. Benannt ist das Riff nach den Gasbläschen, die hier wie in einem mit Champagner gefülltem Glas nach oben aus dem Meeresboden aufsteigen. Die Thermalquellen sind auf vulkanische Aktivitäten in der Region zurückzuführen. Dieses interessante Naturschauspiel musste ich mir unbedingt anschauen. Aus dem dunklen Boden sprudeln tatsächlich Bläschen aus dem Boden empor.


Am Champagner-Riff perlen aus unzähligen Felsspalten Gasblasen hervor. Mit der Kamera versuche ich dieses zauberhafte Naturschauspiel einzufangen.


Ein Torpedorochen wärmt sich auf dem warmen Lavasand auf.


Ein weiteres Highlight war eine große Schildkröte, die an der steil abfallenden Riffwand an mir vorbeischwamm. Es war wirklich beeindruckend.


Im Bann der Haie


Nach einem Zwischenstopp auf Antigua und Barbuda ging es weiter nach St. Kitts. Hier erlebte ich einen meiner schönsten Tauchgänge. Unmittelbar nach dem Abtauchen zeigte sich der erste Hai.


Der Chef des Meeres schaut vorbei


In geringem Abstand glitt der Hai an mir vorbei. Ich hielt meinen Atem an, um ihn nicht zu verscheuchen. Der Hai musterte mich mit seinen starren Augen. Hinter der spitz zulaufenden Nase war das halbmondförmige Maul zu sehen. Ein unvergesslicher Moment, der unter die Haut geht.


Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezi)


Nach und nach kamen immer mehr Haie hinzu. Schon bald zählte ich fünf Karibische Riffhaie, die um mich herumschwammen. Sie schienen an mir interessiert zu sein, denn sie kamen oftmals sehr nahe, schwammen direkt auf mich zu, und drehten erst kurz vor mir wieder ab. Dieses Verhalten hatte jedoch nichts Aggressives an sich, sondern eher Neugier. 45 Minuten blieben sie bei mir und boten schöne Fotomotive.



Den Abschlusstauchgang unternahm ich am „River Taw“-Wrack, einem 1985 untergegangen Frachter, der 1989 durch den Hurrikan Hugo in zwei Teile zerbrochen ist.


Mein Büro auf St. Kitts


Gern erinnere ich mich an die herrlichen Tauchgänge vor St. Kitts, Dominica und Barbados und hoffe bald wieder die Inseln besuchen zu können. Es war es eine unvergessliche Reise.



Seid ihr schon einmal auf Dominica oder Barbados getaucht? Welche Tauchplätze könnt ihr empfehlen und welche eher nicht? Über Hinweise oder ein Kommentar würde ich mich sehr freuen!

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