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Tauchen im Westhavelland: Rhinkanal und Dreetzer See

Etwa 70 km westlich von Berlin befindet sich der Naturpark Westhavelland. Es handelt sich um das größte Schutzgebiet in Brandenburg und umfasst das größte mitteleuropäische Rast- und Brutgebiet für Wat- und Wasservögel im Binnenland. Eingebettet in die Niederung der Unteren Havel findet man hier eine wunderschöne Luchlandschaft mit kleinen Kanälen und Gräben. Sie wurden unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert zum Zwecke der Entwässerung der Luchlandschaft und Urbarmachung des Havellandes gebaut.


Eine dieser Wasseradern ist der Alte Rhinkanal. Der kleine Kanal bietet eine interessante Flora und Fauna. Mannshohe Wasserpflanzen wiegen sich in der leichten Strömung. Sie sind das Versteck für Plötzen und Rotfedern. Das Ufer ist von Schilf und Seerosen geprägt. An den Stängeln kleben mehrere Zentimeter große Flussdeckelschnecken und im Wasser liegende Althölzer sind mit hellgrünen Süßwasserschwämmen bewachsen. Im Rhinluch ist auch die äußerst seltene Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) beheimatet.


Alter Rhinkanal


Nahe der Oberfläche im pflanzenbestandenen Uferbereich stehen Schwärme kleine Moderlieschen (Leucaspius delineatus), auch Sonnenfischchen, Zwerglaube oder Malinchen genannt. Der Name Moderlieschen ist etwas irreführend. Er ist nicht von Modder oder Schlamm abgeleitet, sondern kommt von „mutterlos“, weil der Laich manchmal am Fuß von Wasservögeln hängen bleibt und dann in andere Gewässer verschleppt wird, wo das Gelege dann mutterlos ist.



Der Grund des Alten Rhinkanals besteht aus festem Sand oder lockeren Treibsanden. Hier trifft man auf junge Kaulbarschbrut. Der Uferbereich ist teilweise von einem Felslitoral geprägt. Die Tiefe beträgt bei Michaelisbruch etwa 2 m. Das Wasser ist im Sommer recht klar und bietet schöne Fotomotive.



Von Michaelisbruch führt der Alte Rhinkanal nach Dreetz zum Dreetzer See. Am interessantesten ist hier die Schilf- und Schwimmblattzone sowie die darin anschließende Laichkrautzone. Die Blätter der Pflanzen ragen bis an die Wasseroberfläche. Zwischen den Seerosenstängeln und in den dichten Laichkrautwäldern kann man alle möglichen Wirbellose beobachten. Das Auftauchen der Krebsschere (Wasseraloe, Stratiotes aloide) kündigt das allmähliche Verlanden des Sees an. Aus dem nur langsam abfallenden Seeboden ragen große filtrierende Teichmuscheln. Hinter der Laichkrautzone schließt sich ein Bereich mit sehr vielen und zum Teil erstaunlich großen Süßwasserschwämmen an. Leider ist die Sicht meist recht schlecht. Die Schönheit des Dreetzer Sees liegt mehr über der Wasseroberfläche.


Dreetzer See


Aber nicht nur Naturliebhaber zieht es an den Dreetzer See. Auch Geschichtsinteressierte und „Schatzsucher“ zieht es nach Dreetz. Denn unweit des Sees trifft man auf Bunkerreste, unzählige im Wald verstreute Betonfundamente, die Überreste einer Eisenbahntrasse und vier riesige, kreisrunde Kegel. Es handelt sich um die Überreste der Deutsche Sprengchemie GmbH. Die im Jahre 1938 errichtete Anlage bestand einst aus knapp 300 Einzelgebäuden. Das Areal wurde nach dem Krieg von sowjetischen Einheiten zerstört und ist heute völlig mit Moos und Farnen überzogen. Viele Mythen ranken ich um die einstige Sprengstofffabrik. Angeblich sollen hier die Gefechtsköpfe der V2 befüllt worden sein.


Neben den Überresten der ehemaligen Bahntrasse liegt wie eine Raumkapsel ein Ein-Mann-Bunker im Wald


Im April 1945 beschossen alliierte Kampfflugzeuge einen bei Dreetz, Werkbahnhof Blockstelle Segeletz, abgestellten Zug. Bei dem Angriff wurden 186 Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora getötet. Die Toten wurden zunächst am Bahndamm verscharrt. Nach Kriegsende wurde unweit der Stelle ein Ehrenmal errichtet und die Opfer dorthin umgebettet. Die Überreste des einstigen Bahndammes und die Fundamente der Bahnhofsgebäude sind heute noch wenige Meter neben dem Ehrenmal unter einer dichten Moos- und Grasschicht zu sehen.


Mahnmal für die Opfer des Luftangriffs


Es wird berichtet, dass im April 1945 ein Flugzeug in den Bückwitzer See gestürzt sein soll. Möglicherweise handelt es sich um ein Flugzeug aus der Gruppe des Angriffs auf den Werksbahnhof der Sprengstofffabrik Dreetz. Das Flugzeugwrack soll angeblich zu DDR-Zeiten in den 1980iger Jahren mit Ketten und Seilen aus dem See herausgezogen und zum Schrott gebracht worden sein.


Bei dem Flugzeugwrack auf dem Grund des Bückwitzer Sees könnte es sich auch um die Überreste eines am 24. Mai 1944 abgeschossenen amerikanischen B-17 Bombers handeln. Eine „Fliegende Festung“ der 350. Bomber Squadron vom Typ B-17G-35-BO, Seriennummer 42-31941, soll am Bückwitzer See von deutschen Jägern unter Beschuss genommen und abgestürzt sein. Die 10-köpfige Besatzung bestand aus Pilot Lindley L. Williamson, Co-Pilot James G. Dennis, Navigator Barwick O. Barfield, William Carrillo (Bombenschütze), Lloyd K. Kouns (Bordmechaniker und Schütze), Charles B. Sewell (Funker), James O. Townsend jr. (Schütze), Walter Wisniewski (Schütze), Colbert W. Graham und Robert H. Andersen (Schütze). Leider ist nur sehr wenig zum Flugzeugwrack überliefert. Hinweise nehme ich gern entgegen.


Auf dem Grund des Bückwitzer Sees soll ein Flugzeugwrack liegen


Der Bückwitzer See ist Teil des Naturschutzgebietes „Bückwitzer See und Rohrlacker Graben“. Aufgrund der Unterschutzstellung sollte die Unterwasserwelt nur nach vorheriger Genehmigung der zuständigen Behörde erkundet werden. Eine Einstiegstelle, die zum Baden freigegeben ist, befindet sich in Bückwitz.


Vor hier ist es auch nicht weit zur Kyritzer Seenkette, einer 22 km langen Seerinne, die sich fast geradlinig von Nord nach Süd über den Obersee (in dem die drei Seen Borker See, Salzsee, Stolper See aufgingen), den Bantikower See (Untersee) und den Klempowsee erstreckt. Hier leben 16 Fischarten und eine Vielzahl seltener Tiere wie Fischotter, Biber und Seeadler. Die Seen der Kyritzer Seenkette sind sehr nährstoffreich, so dass insbesondere in den Sommermonaten das Tauchen durch eingeschränkte Sicht getrübt sein kann.


Stolper See und Bantikower See (Untersee)

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