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Korallen am Grund des Heinitzsees

20. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Auf Fossiliensuche im Rüdersdorfer Muschelkalk


Wo heute riesige Bagger tonnenweise Kalkstein abbauen, erstreckte sich einst ein tiefblaues Gewässer – der Heinitzsee. Er war von 1914 bis 1916 ein mit Grundwasser gefluteter Kalksteintagebau. In den 1950er- und 1960er-Jahren war der See ein legendäres Tauchrevier.  Er gilt bis heute als die Geburtsstätte des Tauchsports in der DDR. Tauchpioniere wie Gerhard Steinert , Peter Scharf und Jürgen Schmidt schwärmten von den steil abfallenden Kalksteinwänden und der faszinierenden Unterwasserlandschaft. Doch das Paradies war nicht von Dauer: Vor 50 Jahren wurde der See leergepumpt, da der wertvolle Kalkstein für das Zementwerk Rüdersdorf dringend benötigt wurde.


Der Heinitzsee war einst ein beliebtes Tauchgewässer (um 1970)
Der Heinitzsee war einst ein beliebtes Tauchgewässer (um 1970)

Wo einst Fische durchs Wasser schwammen, regiert heute wieder der Tagebaubetrieb.(2026)
Wo einst Fische durchs Wasser schwammen, regiert heute wieder der Tagebaubetrieb.(2026)

Für Entdecker hat dieser geschichtsträchtige Ort nichts von seiner Faszination verloren. Statt mit Neoprenanzug und Druckluftflasche geht es heute mit festem Schuhwerk, Hammer und Meißel auf Expedition. Der ehemalige Seegrund und das umliegende Areal bieten einen spektakulären Einblick in die Erdgeschichte Mitteleuropas.


Rüdersdorfer Muschelkalk
Rüdersdorfer Muschelkalk

Heute kann man hier an geführten Geo-Touren teilnehmen. Das Fundgebiet für die Touren sind die gewaltigen Muschelkalk-Vorkommen, die vor etwa 247 bis 239 Millionen Jahren entstanden. Damals war das heutige Brandenburg von einem flachen Ausläufer des riesigen Tethys-Meeres bedeckt. Die damaligen Lebensformen wurden im feinen Schlamm eingeschlossen und über Jahrmillionen hinweg zu versteinerten Kunstwerken der Natur gepresst. Ich ließ meinen Blick über den staubigen Boden des Tagebaus schweifen und konnte versteinerte Glieder von Seelilien, Korallen und Muscheln finden, die oft in dichten Pflasterungen das Gestein durchziehen. Wer echtes Finderglück hat, kann sogar auf die fossilen Überreste echter Meeresdrachen treffen. Die Zähne und Knochen von Nothosaurus und Placodus sind die absoluten Highlights der Rüdersdorfer Fundorte. Diese prähistorischen Reptilien durchstreiften vor rund 245 bis 230 Millionen Jahren mit ihren paddelförmigen Gliedmaßen das warme Flachwasser.


Der Museumspark Rüdersdorf bietet geführte Geo-Touren an
Der Museumspark Rüdersdorf bietet geführte Geo-Touren an

Die geführten Geo-Touren im Kalksteintagebau Rüdersdorf schlagen eine Brücke von der Pionierzeit des Tauchsports direkt hinein in die Urzeit. Auch wenn das Wasser längst gewichen ist: Der Mythos bleibt lebendig. Wer heute den Abdruck einer Jahrmillionen alten Muschel aus dem Stein klopft, hält ein Stück Ewigkeit in den Händen – ein unvergessliches Abenteuer für geschichtsbegeisterte Entdecker und Unterwasserfans gleichermaßen.



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