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Jahrhundertschatz im Visier

vor 8 Stunden
3 Min. Lesezeit

Taucher suchen im Moor nach neuen Erkenntnissen zum Gesseler Goldhort


Bei Bauarbeiten für eine Erdgasleitung wurde vor 15 Jahren in der Nähe des Ortes Syke (Lk. Diepholz) in Niedersachsen eine sensationelle Entdeckung gemacht: Ein Schatz aus 117 Einzelteilen aus Gold! Der Goldhort von Gessel gilt als ein Jahrhundertfund, er gehört zu den größten prähistorischen Gold-Hortfunden in Mitteleuropa. Seit dem Auffinden des Goldschatzes sind viele Jahre vergangen. Doch der sensationelle Fund beschäftigt die Wissenschaft weiterhin. Neue Forschungen befassen sich unter anderem mit der Landschaftsrekonstruktion im Umfeld des Fundortes und die möglichen Beziehungen zu Siedlungen und Gräberfeldern in der Nähe. Zu diesem Zweck bat die Göttinger Archäologin Lisa Hüsken, die den Goldhort von Gessel im Kontext seiner archäologischen Landschaft erforscht, Taucher und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger mit der Untersuchung eines Schlatts bei Syke.

 

Feldschlatt bei Syke


Der Begriff „Schlatt“ stammt aus dem Plattdeutschen und bedeutet sumpfig, moorig oder matschig. Es handelt es sich um kleine ab- und zuflusslose Gewässer ohne Grundwasseranbindung, die am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind. Abschließend ist die Entstehung dieses Gewässertyps noch nicht geklärt. Bohrkernproben sollen hier zu weiteren Erkenntnissen führen.


Metalldetektor-Prospektion im Schlatt. In der Bronzezeit galten Feuchtgebiete wie Moore und Sümpfe als Tore zur Geisterwelt. Um die Götter milde zu stimmen, Schutz zu erflehen oder für eine gute Ernte zu danken, brachten die Menschen dort wertvolle Sachopfer dar und versenkten sie im Wasser.


Wir Taucher des Vereins für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e.V. sagten unsere Unterstützung zu. Vom 1. bis 4. Oktober 2026 fuhren wir nach Syke. Das Tauchen in einem Moorloch war für uns Neuland. Recht schnell war klar, dass die Tauchausrüstung aufgrund der geringen Gewässertiefe im Auto bleiben konnte. Auch wenn wir keine Tauchausrüstung anlegen mussten, so sorgen unsere Trockentauchanzüge für einen guten Schutz gegen Schlamm, Matsch und ungewollten Wassereinbruch.


 

Ein Kamerateam des NDR begleitete die Untersuchungen im Moor


Zwei Tage lang haben wir das Schlatt vermessen, Bohrkernproben entnommen und mittels Metalldektor prospektiert. Um es vorweg zu sagen: Gold kam nicht zum Vorschein. Lisa Hüsken, die das Projekt leitende Archäologin, zieht dennoch ein durchweg positives Fazit. Sie erhofft sich von den gewonnenen Daten und Bodenproben neue Erkenntnisse zur Landschaft im Umfeld des berühmten Gesseler Goldfundes. Die gewonnenen Bohrkerne und Messdaten sollen helfen, die bronzezeitliche Umwelt und die damaligen Lebensbedingungen rund um das Schlatt zu rekonstruieren. Wir waren froh, ihre Arbeit unterstützen zu können und es war für uns eine fantastische Erfahrung.



Morgenidylle am Schlatt


Am Samstag besuchten wir den Fundplatz des Goldhortes am Leeßer Berg. Bei der Feldbegehung konnten wir mehrere Keramikscherben finden, die sich in die Bronzezeit datieren lassen. Eine weitere Feldbegehrung erfolgte am Nachmittag mit ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern. Wir fanden Bleiplomben und zahlreiche neuzeitliche Münzen aus Zeiten des Königreichs Hannover und dem Deutschen Reich. Die gemeinsame Detektorsuche und der Erfahrungsaustausch hat allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht.


Der Gesseler Goldschatz im Syker Museum

 

Am letzten Tag der Exkursion durften wir im „Forum Gesseler Goldhort“ den berühmten Goldschatz endlich mit eigenen Augen bestaunen. Nach den Tagen im Schlamm und Morast des Schlatts schloss sich hier der Kreis. Plötzlich standen wir vor den Goldstücken, deren Herkunft wir im Gelände nachgespürt hatten.


Wer mehr zum Goldschatz und den aktuellen Forschungsprojekten erfahren will, kann am 7. November 2026 die 22. Tagung zur regionalen (Vor-)Geschichte im Syker Kreismuseum besuchen. Auf der Tagung zum Thema „Die Welt des Gesseler Goldhortes“ werden neue Forschungserbnisse aus verschiedenen Fachrichtungen zur Rekonstruktion der Syker Landschaft vor 3.300 Jahren präsentiert. Lisa Hüsken hält hier auch einen Vortrag zum Thema „Der Goldhort von Gessel und seine archäologische Landschaft“.

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