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Unterwasser-Archäologie im Glienicker See

Wiederentdeckung eines bronzezeitlichen Fundplatzes im ehemaligen Grenzgebiet


Das Tauchen in West-Berlin war während des Kalten Krieges kein gewöhnliches Hobby. Da die Sektorengrenze zu Ost-Berlin und der DDR oft mitten durch die Berliner Gewässer verlief, waren die Tauchmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Wasserstraßen, die direkt an die DDR grenzten – wie große Abschnitte der Havel oder der Glienicker See –, standen unter der Hoheit der alliierten Schutzmächte und wurden von der West-Berliner Polizei kontrolliert. Privates Tauchen war hier aus Sicherheitsgründen untersagt. Die Gefahr war zu groß, dass DDR-Grenztruppen Taucher für Flüchtlinge, Fluchthelfer oder Spione hielten und das Feuer eröffneten. Selbst im West-Berliner Landesinneren mussten Tauchgänge vorab angemeldet und genehmigt werden. Legal ging das meist nur über registrierte Vereine wie den Deutschen Unterwasser Club Berlin e.V. (DUC).


Glienicker See
Blick auf den Glienicker See

Von den Westberliner Hobby-Archäologen sind vor allem der DUC-Taucher Rüdiger Snay und Wolfgang Hackmann zu nennen, die die Westberliner Gewässer intensiv nach historischen Hinterlassenschaften absuchten. Von ihren Vereinskameraden wurden sie liebevoll als „Schlammies“ bezeichnet. 1987 barg Rüdiger Snay den im Technikmuseum Berlin ausgestellten Spandauer Kaffenkahn aus der Havel und nach der Wende die im Museum ausgestellten Teile des Lancaster-Bombers aus dem Wünsdorfer See. 1990 untersuchte er die Kaffenkähne im Werbellinsee und war an zahlreichen Flugzeugwrackbergungen beteiligt. Eine Nebenrolle hatte er als „Froschmann“ in dem Edgar Wallace Klassiker „Der Hexer“. 


Taucher des Vereins für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e.V.
Taucher des Vereins für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e.V. suchen eine vor fast 60 Jahren entdeckte Fundstelle

Aufsehen erregte eine mehrjährige Tauchaktion im Groß-Glienicker See. Dort wurde 1967 im nördlichen Seeteil ein fast vollständig erhaltenes bronzezeitliches Gefäß gefunden. Nach Hinzuziehung des amtlichen Bodendenkmalpflegers wurde die weitere Untersuchung des Seegrundes und Bergungsaktion in Angriff genommen. Rüdiger Snay begann mit dem Bau einer Arbeitsplattform für die Unterwasserarchäologen des DUC. Von dieser Plattform aus wurde die Fundstelle eingehend untersucht. Die Taucher fanden weitere Keramik. Die geborgenen Scherben ließen sich zu mehreren Gefäßen zusammensetzen. Unter anderem wurde eine Zylinderhalsterrine mit leicht schräger, vertikaler Riefelung gefunden. Es wird angenommen, dass die Gefäße bei der Niederlegung ins Wasser noch vollständig erhalten waren und erst nach dem 2. Weltkrieg beschädigt wurden, als ein Schleppmagnet über den Grund des Glienicker Sees gezogen wurde, um ihn nach Munition abzusuchen. Der Schleppmagnet hat wahrscheinlich die Gefäße erheblich beschädigt. Zwischen den Gefäßresten wurden auch Knochen gefunden. Es wurde angenommen, dass es sich bei dem Fundplatz um einen bronzezeitlichen Seeopferplatz handelt.


Bronzezeitliche Scherbe
Bronzezeitliche Scherbe

Keramikfund
Im April 2026 wurde die Fundstelle durch Taucher des Vereins für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e.V. erneut aufgesucht. Es konnten weitere Keramik- und Knochenreste geborgen werden.

Am 31. Mai 1969 haben Wolfgang Hackmann und Rüdiger Snay etwa 100 m südlich der Fundstelle den Bug eines Einbaums gefunden. Das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Köln hatte den Einbaum nach der C14-Methode auf ein Alter von 1160 (+/- 60) v. Chr. datiert.


Literatur:


W. Hackmann: Das Ding aus dem Glienicker See, in: Froschmann (März 1974), S. 10-11.

W. Hackmann: Archäologische Funde in einem Berliner See, S. 36-27.

H. Rosenthal: Das Konservieren von Archäologischen Funden, in: Froschmann (März 1974), 12f.

A. v. Müller: Unter dem Pflaster von Berlin-Zehntausend Jahre Geschichte in Bildern, Ein archäologischer Streifzug (1995), S. 53.

A. v. Müller: Die Archäologie Berlins-Von der Eiszeit bis zur mittelalterlichen Stadt, S. 147.


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