top of page

Geheimnisvoller Roter See

29. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Unterwasserhöhlen und zwei Flugzeugswracks


Die Sonne stand bereits hoch über dem Himmel als wir zu unserer Wanderung aufbrachen. Zunächst ging es knapp 12 Kilometer Richtung Imotski, einer malerischen Kleinstadt im dalmatischen Hinterland. Unser Ziel war der Rote See (Crveno jezero). Gelegen im rauen Karstgebirge nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegowina ist dieser See eines der faszinierendsten und geheimnisvollsten Naturwunder Kroatiens.


Der Rote See bei Imotski
Der Rote See bei Imotski

Nach einem letzten kurzen, aber steilen Aufstieg durch die typische, karge Karstlandschaft erreichten wir den Roten See. Vor uns öffnete sich eine gigantische Einsturzdoline. Fast senkrecht fallen die rötlich gefärbten, bis zu 250 Meter hohen Felswände in die Tiefe. Dieser markanten Färbung des Gesteins verdankt der See seinen Namen. Tief unten schimmerte das Wasser in einem intensiven Blau. Der See ist 287 Meter tief, wobei der Wasserspiegel je nach Jahreszeit und Niederschlag stark schwankt. Zusammen mit den steilen Felswänden ergibt sich eine Gesamttiefe des Kraters von über 500 Metern – eine der tiefsten bekannten Einsturzdolinen der Welt. Ein absolut fantastischer Ausblick.


Wanderung am Felsrand
Wanderung am Felsrand

Aufgrund dieser extremen, steilen Wände war der See lange Zeit unzugänglich. Erst im Jahr 1998 gelang es einer internationalen Höhlentauchexpedition, das Geheimnis unter der Wasseroberfläche genauer zu untersuchen. Die Forscher wiesen nach, dass der Rote See Teil eines komplexen unterirdischen Flusssystems ist. In etwa 15 Metern Tiefe entdeckten die Taucher den Eingang zu einem verzweigten Höhlensystem, das bis heute auf einer Länge von rund 800 Metern erforscht werden konnte. Trotz der extremen Bedingungen und der Isolation hat sich in diesem Ökosystem Leben entwickelt. Der See ist die Heimat von zwei ganz besonderen, endemischen Fischarten: der Imotski-Elritze (Delminichthys adspersus) und einer seltenen Steinbeißer-Art (Cobitis illyrica).


Während ich meinen Blick über das Wasser schweifen lasse, kommt mir eine düstere Geschichte in den Sinn, die diesen Ort umgibt. Der Rote See birgt bis heute ein Geheimnis aus den Tagen des Zweiten Weltkriegs. Am 13. April 1944 wurden zwei amerikanische Bomber vom Typ B-24 Liberator über Imotski abgeschossen. Zu dieser Zeit waren deutsche Flugabwehr-Artilleriebataillone der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ in den nahegelegenen Orten Glavina Donja und Vinjani Donji stationiert. Berichten zufolge prallten die getroffenen Flugzeuge gegen die steilen Hänge des Kraters. Die Wrackteile der Bomber versanken in den Tiefen des Sees, wo sie vermutlich noch heute auf dem Grund ruhen als stumme Zeugen der Geschichte.

Kommentare


bottom of page