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Ungarn: Der Thermalsee von Heviz

Aktualisiert: 22. Jan.

Auf Tuchfühlung mit Guppies, Sonnenbarschen und Indischen Schnecken


Der Heviz-See ist der größte natürliche, biologisch aktive Thermalsee der Welt vulkanischer Abstammung mit Moostorf. Sein kalzium-, magnesium- und leicht radonhaltiges Wasser soll heilende Wirkung haben. Der 4,4 ha große See wird von unterseeischen Quellen versorgt. Ab einer Tiefe von 38 m tritt 40 °C warmes Wasser aus. In den Wintermonaten können hier Höhlentauchgänge absolviert werden. Durch eine schmale Öffnung, die den Eingang zur Höhle bildet, strömen über 400 l Wasser pro Sekunde! Das Fördervolumen der Quellen ist so groß, dass sich das Wasser des Sees innerhalb von drei Tagen vollständig austauscht. Am südlichen Ende fließt das Wasser über einen etwa 10 m breiten Kanal zuerst in den Fluss Zala und von dort weiter in den Balaton.


Sonnenbarsch im Heviz-See

 

An der Oberfläche beträgt die Wassertemperatur im Sommer 35 – 38 °C, selbst im Winter sinkt sie nicht unter 22 °C. Ich war überrascht, in dem warmen Thermalwasser Fische anzutreffen. Häufig traf ich auf Sonnenbarsche (Lepomis gibbosus). Die farbenprächtigen Fische stammen eigentlich aus Nordamerika und wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Frankreich eingeführt. In Versailles wurden sie als eine Art Zierfisch gezüchtet, von wo sie sich wahrscheinlich in ganz Europa ausgebreitet haben. Wie bei den meisten Neozoen wird auch die Anwesenheit des Sonnenbarsches kritisch gesehen. In Deutschland wird er ist auf der Schwarzen Liste als "potenziell invasiv" geführt.


Die fotogenen Sonnenbarsche boten sich als perfekte Unterwassermodells an.

 

Eine weitere nichtheimische Fischart fühlt sich im warmen Thermalwasser des Héviz-Sees wohl – Guppies. Im Oberflächenbereich schwimmen hunderte dieser kleinen Zahnkarpfen. Wie die Fische in den See gelangt sind, ist nicht bekannt. Jedenfalls sind sollen sie dort schon seit Jahrzehnten anzutreffen sein. Um was für eine Art es sich genau handelt, kann ich leider nicht sagen. Sie wird als „Hevizer Stamm“ bezeichnet. Vielleicht kann ein passionierter Aquarianer beim Anblick der Fotos eine genauere Artbestimmung  vornehmen. Über Hinweise wäre ich sehr dankbar.


Guppies vom „Hevizer Stamm“

 

Noch ein weiterer Kosmopolit war im See anzutreffen. Im Bodenbereich dominierten die Gehäuse von schlanken Turmdeckelschnecken. Es dürfte sich um Indische oder Malaiische Turmdeckelschnecken (Melanoides tuberculata) handeln. Die etwa 5 cm langen Schnecken haben ein oliv- bzw. gelbgrünes, teils rotbraunes Gehäuse. Auffällig sind die für die Art typischen rostroten Querstriche. Ursprünglich war diese Schneckenart im indischen und malaiischen Raum sowie im tropischen Afrika verbreitet. Heute ist diese anpassungsfähige Art ein Kosmopolit. Man findet die Indische Turmdeckelschnecke in Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. Sie lebt sogar in der Sahararegion in temporären Gewässern in Algerien, Libyen, Tschad und Mauretanien sowie in dauerhaft warmen Gewässern in Europa, wie dem Heviz-See in Ungarn.

 

Melanoides-Turmdeckelschnecken im Heviz-See

 

Der Heviz-See ist allerdings kein typisches Tauchgewässer. Er wird in erster Linie zu Heilzwecken besucht und macht vielmehr den Eindruck eines eingezäunten Freibades mit Wellnesscharakter. Gesundheit und Harmonie ist hier das Motto. Hunderte Badegäste schwimmen mit „Badenudeln“ ausgerüstet gemächlich durch den warmen Thermalsee entlang an Seerosenfeldern. Der hydrostatische Druck des Wassers hat eine beruhigende, wohltuende Wirkung auf den Kreislauf. Auf der Körperoberfläche erscheinen kleine Gasbläschen. Es lohnt sich dennoch einen Blick unter die Oberfläche des Heviz-Sees  zu stecken.

 

Text/Fotos: Dr. Roger Blum

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