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Berlin: Tauchen an der Bammelecke im Langen See/Dahme

Berlin-Grünau, Wassersportallee: Hier am Langen See, einer seeartigen Verbreiterung des Flusses Dahme, befindet sich die Regattastrecke. Vor 150 Jahren fand an dieser Stelle die erste Berliner Segelregatta, eine der ersten deutschen Binnenregatten, statt. Um die Jahrhundertwende wurde eine große Tribüne errichtet und regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen. Die Regattastrecke war während der Olympischen Spiele 1936 Austragungsort der Ruder- und Kanuwettbewerbe. Vor einigen Jahren bin ich einmal vor der Regattastrecke im Rahmen einer Sportveranstaltung getaucht. Abgesehen davon, dass das Tauchen vor historischer Kulisse seinen eigenen Reiz hat, gab es aber nicht viel zu sehen. Außerdem herrscht hier wegen der zahlreichen Bootsliegeplätze und des regen Vereinslebens viel Bootsverkehr, so dass vom Tauchen an dieser Stelle abzuraten ist.





Von der Regattastrecke gelangt man auf einem ufernahen Weg entlang des Langen Sees durch einen schönen Wald zur Bammelecke. Es handelt sich um eine in den Langen See hineinragende Landzunge mit einer etwa 60 m breiten Badestelle, Sandstrand und ausgedehnter Waldflächen. Der Weg ist leider für den Autoverkehr gesperrt, so dass das Tauchgepäck vom Ende der Wassersportallee aus geschleppt werden muss. Das Tauchen mit „kleinem Besteck“, also Marke, Schnorchel und Flossen, reicht aber eigentlich aus.



An der Bammelecke in Grünau



Die Erkundung der Unterwasserwelt sollte nur im Flachwasserbereich stattfinden, denn vor der Badestelle verläuft eine Schifffahrtsstraße. Die Dahme ist durchgehend Bundeswasserstraße. Die Badestelle wird durch eine Austonnung vom Bootsverkehr geschützt. Der Untergrund ist flach und sandig. Auf dem Sandgrund filtern Flussmuscheln das Wasser. Ein kleines Wrack in 4 m Tiefe hatte ein Zander zu seinem Revier erklärt und ein Schwarm Barsche schaute immer wieder vorbei. Interessante Motive finden sich an den umgestürzten Bäumen westlich der Bammelecke.



Ein Zander auf einem kleinen Wrack an der Bammelecke



Über den Ursprung des Namens „Bammelecke“ gibt es mehrere Versionen. Zum einen wird berichtet, dass die Badestelle seinen Namen dem Umstand verdanken soll, dass früher häufiger Schiffe in dem flachen Uferbereichen auf Grund gelaufen sind bzw. angefangen haben zu “bammeln” (baumeln, schwanken bzw. Muffensauen, Angst). Eine andere Version meint, der Name kommt vom „Bammel“ der Sportler vor ihrem Start. An der Bammelecke warteten die Sportler in ihren Booten auf den Beginn der Wettkämpfe. Eine weitere Version führt den Namen Bammelecke auf den nahegelegenen FKK-Strand zurück… Wie auch immer, die Badestelle ist sehr idyllisch und eignet sich gut für einen kurzen Einstieg. Sie ist ein beliebtes Ausflugziel der Berliner. Es ist überraschend, wie schnell man hier die Berliner Hektik vergisst und die Natur genießen kann.


Das Gebiet rund um den Langen See gehörte einst zum Reich des legendären Jacza von Köpenick. Der bekannte Slawenfürst hatte im Bereich der heutigen Schlossinsel am strategisch wichtigen Zusammenfluss von Spree und Dahme seinen Herrschaftssitz. Auch auf den beiden Inseln - Großer und Kleiner Rohrwall - wurden Hinweise auf mittel- und spätslawische Inselsiedlungen gefunden. Ausgrabungen auf dem Großen Rohrwall erbrachten Siedlungsreste, mittel- und spätslawische Keramik, Trachtbestandteile und Münzen (sog. Wendenpfennig).



Blick auf den Kleinen Rohrwall



Vom Grund des Langen Sees bargen Taucher interessante Gegenstände aus der Zeit der historischen Regatten. Einige Teile sind im Tauchermuseum Wendenschloß ausgestellt. Das Museum befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Langen Sees im Vereinshaus des Tauchsportklubs Adlershof im ProSport 24 e.V. in der Wendenschloßstraße 420. Zur Sammlung des Tauchermuseums gehören vor allem Eigenbau-Unterwasserkameras, Tauchanzüge, Regler sowie Fotos und Bücher aus über 70 Jahren Sporttauchergeschichte. Da das Museum ehrenamtlich betrieben wird, wird um vorherige Anmeldung gebeten.


Die Orden des Generals Müller


Eine weitere interessante Geschichte ist aus der Windwallstraße bekannt. Hier am Ufer des Langen Sees hatte der General Vincenz Müller sein Haus. Hier kam er im Mai 1961 durch einen Sturz vom Balkon des ersten Stockes auf mysteriöse Weise zu Tode. Der umstrittene Wehrmachtsgeneral ließ sich am 8. Juli 1944 von sowjetischen Truppen gefangen nehmen, stellte sich aktiv gegen Hitler und befahl seinen Truppen, die Waffen niederzulegen. Nach dem Krieg leitete er den militärischen Aufbau der DDR, wurde erster Generalstabschef der Nationalen Volksarmee und Vizepräsident der Volkskammer. Doch Ende der 1950iger Jahre kam es zu einem Zerwürfnis zwischen dem Generalleutnant und Walter Ulbricht. Der General fürchtete eine Verhaftung wegen vermeintlicher Beteiligung an Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs und Hochverrats. In seiner Biografie wird berichtet, dass Müller´s Furcht vor einer Verhaftung solche Züge angenommen haben soll, dass er gemeinsam mit seinem Sohn seine Orden aus dem Zweiten Weltkrieg im Langen See versenkte.



Am Ufer des Langen Sees hatte der umstrittene Wehrmachts-General Vincenz Müller sein Haus



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