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Tauchfahrt mit der MS ARTUR BECKER

Aktualisiert: 13. Jan.

Das Motorschiff „Artur Becker“ war das größte und einzige Hochseetaucherschiff auf der Ostsee. Der im Jahre 1951 erbaute Logger war bis 1971 als Versorgungsschiff bei der Volksmarine der DDR eingesetzt und danach zum Schulschiff für die Sporttaucherausbildung der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) umgebaut. Nach der Wende übernahm die Hansestadt Greifswald die Trägerschaft und überließ das Schiff 1992 dem Tauchsportclub Greifswald e.V. zur Nutzung. Seither fuhr die MS „Artur Becker“ Taucher und Angler über die Ostsee.



In meinem Logbuch fand ich folgenden Eintrag:


„26. August 2007, An Bord der Artur Becker: Ich liege gerade in meiner Koje, während sich die MS Artur Becker bei Windstärke 7-8 auf den Heimathafen Greifswald zubewegt. Oben an Deck brechen die Wellen teilweise über die Bordwand. Hier unten habe ich etwas Zeit zum schreiben. Drei Tage waren wir nun auf See und haben schöne Wracktauchgänge unternommen. … Besonders nachhaltig ist die Seefahrerromantik, das Pfeifen des Windes und das Anschlagen der Schiffsglocke im Wind.“



Wir hatten das Wrack der „Jan Heweliusz“ besucht. Das Wrack des 140 m langen Fährschiffs ruht etwa 20 Seemeilen nordöstlich von Rügen auf dem Grund der Ostsee. Es liegt in minimal 10 Metern und maximal 25 Metern Tiefe auf seiner Backbordseite. Aufgrund der geringen Tiefe ist das Wrack leicht zu betauchen. Während ich am riesigen Rumpf und den Aufbauten entlang schwamm und durch ein Bullauge in das Schiffsinnere schaute, kam mir die schreckliche Katastrophe vor Augen.



Die polnische Eisenbahnfähre sank am 14. Januar 1993 im Orkan „Vernena“ als die im Schiffsinneren befindlichen, offensichtlich nicht richtig gesicherten 28 Lastwagen und 10 Eisenbahnwaggons infolge des hohen Seegangs verrutschten. Windgeschwindigkeiten von über 160 km/h und bis zu 4 Meter hohen Wellen brachen über das Schiff herein und brachten das Schiff zum kentern. Um 4.35 Uhr hatte das Schiff 30 Grad Schlagseite und die Passagiere wurden in die Rettungsstationen beordert. 10 Minuten später hatte das Schiff bereits 70 Grad Schlagseite. Eine weitere Stunde später trieb die Fähre kieloben und versank schließlich gegen 11 Uhr in der eisigen Ostsee. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnten nur neun Menschen gerettet werden. Aufgrund der Passagierlisten wird vermutet, dass 55 Menschen ums Leben kamen, obwohl nur 37 Leichen geborgen wurden.



Auch wir lernten auf unserer Tauchreise die raue Seite der Ostsee kennen. Hohe Wellen brachen über das Deck und wir suchten im Schatten des Kap Arkonas Schutz.



Die aus Kreide und Geschiebemergel bestehende Steilküste auf der Halbinsel Wittow am nördlichsten Punkt der Insel Rügen begrenzt das Tromper Wieck. Die Bucht bietet Schiffen Schutz bei Winden aus Nord, Süd und West und erstreckt sich in einem weiten Bogen zwischen dem Kap im Norden, der Ortschaft Glowe im Süden und der „Schaabe“ im Westen. Letztere ist eine fast zwölf Kilometer lange Nehrung die die einstigen Inseln Wittow und Jasmund verbindet und mit ihrem feinsandigen, weißen Sand als längster Badestrand auf Rügen gilt.



Einen Tauchgang unternahmen wir an den Überresten des Dampfschiffs „Hermann“ in Sichtweite der imposanten Kreidefelsen von Rügen. Die Wrackreste der „Hermann“ liegen verstreut in nur 8 Meter Tiefe auf dem Grund der Ostsee. Wind und Wellen haben es auf dem Grund verstreut. Mit Ausnahme eines großen Kessels ist vom Schiff nicht viel erhalten. Es wird daher auch „Kesselwrack“ genannt.


Gleich in der Nähe befindet sich das Wrack des Fischkutters SAS „Sturmvogel“, das wir ebenfalls betaucht haben. Der 1958 gebaute Holzkutter sank am 2. November 1984, nachdem er im dichten Nebel mit der Eisenbahnfähre „Rostock“ kollidiert war. Das 17 Meter lange Wrack liegt leicht auf die Backbordseite geneigt auf dem Ostseegrund.


Leider sind Tauchausflüge mit der MS Artur Becker Vergangenheit. Am 1. Juni 2008 wurde das Schiff vom polnischen Getreidefrachter „Raba“ nordwestlich der Halbinsel Wittow (Rügen) gerammt. Damit wurde das Ende der Artur Becker eingeläutet. Ende 2010 wurde das Schiff an ein dänisches Unternehmen verkauft und dann verschrottet.


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