HTG Treffen 2026: Tauchgeschichte zum Anfassen
- Roger Blum

- 14. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Jahrestreffen der Historischen Tauchergesellschaft in Berlin
Das Sporttauchermuseum Berlin-Wendenschloss war für drei Tage Treffpunkt von Enthusiasten, Fachleuten und Sammlern historischer Tauchtechnik. Vom 12. bis 14. Juni 2026 bot die Jahrestagung der Historischen Tauchergesellschaft e.V. ein vielseitiges Programm, das Austausch, Fachwissen und gemeinsames Erleben miteinander verband. Sogar aus der Schweiz und aus Tschechien waren Gäste angereist.

Den Auftakt bildete am Freitagabend ein gemeinsames Essen, bei dem die Teilnehmer in entspannter Atmosphäre zusammenkamen. Alte Bekannte wurden begrüßt, neue Kontakte geknüpft und erste Gespräche über Projekte, Ausrüstungen und gemeinsame Interessen geführt.
Workshop und Vorträge
Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem Workshop zum Thema Zweischlauch-Atemregler. Frank Werthwein stellte die Geschichte, Technik und Besonderheiten der Zweischlauchautomaten vor.

Im Anschluss folgte ein Rundgang durch das Vereinshaus und das Sporttauchermuseum mit Anekdoten aus der Geschichte des Hauses. Am frühen Nachmittag trat die Historische Tauchergesellschaft zu ihrer Mitgliederversammlung zusammen. Organisatorische Themen und zukünftige Vorhaben wurden besprochen. Der aktuelle Vorstand wurde im Amt bestätigt.
Nach der anschließenden Kaffeepause startete das Vortragsprogramm. Uwe Scholz berichtete von seinen Recherchen zur Entwicklung und den Herausforderungen der Unterwasserfotografie und Fotowettbewerbe in der DDR.

Roger Blum stellte das Leben und Wirken des ostdeutschen Polar- und Unterwasserforschers Martin Rauschert vor. Rauschert gehörte zu den ersten Tauchern und Unterwasserfotografen der DDR und war eng mit dem Tauchsportklub Adlershof verbunden. Anfang der 1960er Jahren war er als tauchtechnischer Leiter an mehreren bedeutenden unterwasserarchäologischen Forschungskampagnen beteiligt. Zweimal überwinterte der Zoologe in der Antarktis und lebte dabei jeweils etwa eineinhalb Jahre auf der sowjetischen Station „Bellingshausen“. Nach der Wende arbeitete Rauschert am Alfred-Wegener-Institut des Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung.

Den Abschluss bildete Steven Blum, der die Gäste auf eine Zeitreise in die "Goldene Ära" der Unterwasserstationen nahm. In den 1960er Jahren wurden weltweit mehr als sechzig Unterwasserhäuser gebaut, getauft auf Namen wie SEALAB, MEDUSA, GLAUCUS, XENIE, NERITIKA oder ICHTHYANDER. Was war der Auslöser für diesen Boom? Was erhoffte man sich vom Einsatz der Stationen? Welche Herausforderungen gab es bei den Einsätzen? Steven hatte sich mit zahlreichen Aquanauten getroffen und berichtete von diesen Treffen.

Der Tag klang in geselliger Runde aus: Bis weit nach Mitternacht wurden Erfahrungen ausgetauscht, Erinnerungen geteilt und lebendige Fachdiskussionen geführt.
Raritäten und Technik live im Einsatz
Nach einer kurzen Nacht begann der Sonntag mit einem „Sammler-Basar“. Zahlreiche historische Ausstellungsstücke, Literatur und Sammlerobjekte wurden präsentiert.

Der Basar war der zentrale Programmpunkt des Veranstaltungstags. Die Experten der Historischen Tauchergesellschaft demonstrierten alte Tauchtechnik und es konnten Ersatzteile für historische Regler und so mache Rarität erworben werden. Mich beeindruckte der leidenschaftliche Erfahrungsaustausch zwischen den Sammlern. Natürlich wurde auch die Museumssammlung durch Neuerwerbungen bereichert.
Einige Teilnehmer nutzen zudem die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden und mit historischem Tauchequipment in der Dahme zu tauchen.

Auf zum Praxistest
Ich tauchte mit einem historischen Zweischlauchregler der Firma MEDI. So konnte das am Vortrag im Workshop erworbene Wissen gleich dem Praxistest unterzogen werden. Diese Bauform der ersten Atemregler besaß im Gegensatz zu den aktuellen Atemreglern nur eine einstufige Druckminderung.

Wir konnten noch einen besonderen Gast begrüßen: direkt an der Einstiegsstelle vor unserem Klubhaus beobachten wir einen Sonnenbarsch, der im ufernahen Bereich eine Laichgrube gebaut hatte. Das farbenprächtige Männchen bewachte sein Revier und fächelte seinem Nachwuchs mit seinen Brustflossen frisches Wasser zu. Ein schöner Abschluss für ein besonderes Tauchertreffen der Historischen Tauchergesellschaft.
Das Jahrestreffen zeigte einmal mehr, dass das Interesse an der Geschichte des Tauchens lebendig ist - und wie wichtig der persönliche Austausch für die Pflege dieses besondere Hobbys bleibt.
Mein großer Dank gilt dem Veranstalter und dem Museumsteam!
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