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Mit einem alten Holzschrank fing alles an

Aktualisiert: 27. Jan.

Das Sporttauchermuseum Wendenschloß


Die Idee für ein Sporttauchermuseum entstand bei einem Treffen der „Alten Karpfen“, einer jährlichen Zusammenkunft von Tauchveteranen und ehemaligen Tauchkameraden des Tauchsportklubs Adlershof Berlin. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder alte Erinnerungsstücke - von der selbstgebauten Maske, alten Tauchanzügen bis zum selbstentwickelten Atemregler - zu den Treffen der „Alten Karpfen“ mitgebracht und dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Im Sporttauchermuseum Berlin-Wendenschloß


Anfangs stapelten sich zahlreiche Erinnerungsstücke an der Taucher-Bar auf dem Dachboden des damaligen Vereinshauses am Fürstenwalder Damm in Berlin-Friedrichshagen. An einer gemütlichen Sitzecke stand neben maritimen Gegenständen auch ein alter, gelber Taucherhelm. Hier haben wir so mache wilde Party gefeiert. Der im Veranstaltungsraum stehende Taucher in historischem Tauchanzug wurde meist weggeschoben, um Platz für die Tanzfläche zu schaffen. Auf einem Stuhl saß „Anne“, eine im DDR-Trainingsanzug gekleidete, lebensgroße Puppe, die für die HWL-Prüfung genutzt wurde und im Vorstandszimmer lag neben allerlei alten Reglern und Selbstbaufotoapparaten eine anatomische Figur, die oft als Requisite für Halloweenpartys herhielt. Den wenigsten Mitgliedern und Gästen war wohl bewusst, welche tauchhistorischen Schätze hier lagerten. So handelte es sich bei dem anfangs erwähnten gelben Taucherhelm um den 1952 gebauten Helm von Johannes Watermann.


Watermann´s Helm (1952)


Watermanns Helm (1964)


Nach einer gründlichen Überholung und mit einem neuen Anstrich versehen, war der Helm 1964 erneut ins Wasser gesenkt worden. Die Handhabung des Taucherhelms war denkbar einfach. Der Helm wurde dem Taucher auf die Schultern gesetzt. Die Luftzufuhr erfolgte durch einen Schlauch und ein im Helm befindliches Rückschlagventil. Das Wasser reichte dem Taucher bis zum Schulterstück des Helms, aus dem die überschüssige Luft entwich. Ging der Taucher bei gleichbleibender Luftzufuhr tiefer, so stieg das Wasser im Helm. Über ein Mikrofon konnte der Taucher beim Assistenten mehr Luft anfordern, die er über eine Pumpe oder von Pressluftflaschen erhielt. Die Sprechgarnitur hatte Jürgen Schmidt von einem englischen Fernsehübertragungswagen erworben. Watermanns Helm wurde häufig als Attraktion bei Tauchveranstaltungen genutzt, bis er schließlich auf dem Dachboden des Vereinshauses seine Ruhestätte fand und dort – wie viele andere Gegenstände auch - in Vergessenheit geriet.


Jürgen Schmidt mit Sprechgarnitur und Watermanns Taucherhelm

 

In den 1990er Jahren lag der Fokus des Vereinslebens vor allem in der Tauchausbildung und den Tauchfahrten. Vor allem die neugewonnene Reisefreiheit wurde in vollen Zügen ausgenutzt. Die Mitglieder des Tauchklubs Adlershof bereisten nahezu alle Ecken der Welt. Sie schilderten ihre Erlebnisse auf Vorträgen auf Vereinsveranstaltungen und brachten zahlreiche Souvenirs von ihren Tauchreisen mit.

 

Das Bewusstsein für die Tauchhistorie stieg erst, nachdem Otmar Richter im Jahre 2000 das erste Treffen der „Alten Karpfen“ initiierte. Viele Taucher der ersten Stunde sind Otmar´s Einladung gefolgt, u.a. Gerhard Steinert, Jürgen Schmidt, Dr. Helmut Wolff, Joachim Wagner, Alfred Kupke, Peter Scharf, Dr. Martin Rauschert, Dr. Manfred Taege, Dr. Gerhard Alscher, Helmut Kucher, Rene Enter, Klaus-Dieter Krüger und Günter Netzel. Mit jedem Jahr wurde die Gästeliste umfangreicher. Es wurden nicht nur Erinnerungen ausgetauscht, sondern viele der Taucherveteranen überließen dem Verein historische Tauchgegenstände. Es entwickelte sich eine regelrechte „Kellerarchäologie“. Zahlreiche Utensilien aus den Anfangsjahren des Sporttauchens konnten auf verstaubten Böden entdeckt und in mühevoller Kleinarbeit restauriert werden. So entstand im Laufe der Zeit eine beachtliche Sammlung einzigartiger Zeugnisse der Tauchgeschichte, die anfangs in einem alten Holzschrank in den Vereinsräumen aufbewahrt wurden.


Mit einem Holzschrank fing es an


Bedingt durch die Historie des Vereins lag der Sammlungsschwerpunkt auf Exponaten aus der ehemaligen DDR. Mittlerweile umfasst die Sammlung mehrere hundert Exponate aus über 70 Jahren Sporttauchergeschichte. Die Exponate zeugen davon, wie sich das Sporttauchen im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Ausgestellt sind unter anderem selbstgebaute Kompressoren, Unterwasserkameras, Blitzlichtgeräte, Tauchanzüge, Atemregler und sonstige Tauchutensilien… und natürlich Erinnerungen auf Fotos und Videos. Doch wohin mit all den Ausstellungsstücken? Die Räume im damaligen Vereinshaus am Fürstenwalder Damm waren zu klein. Die Schränke im Erdgeschoss platzten aus allen Nähten.

 

Nach dem Umzug in das neue Objekt an der Wendenschlossstraße gab es endlich mehr Platz für die Ausstellungsstücke. Doch es dauerte noch weitere fünf Jahre bis das Sporttauchermuseum eröffnet werden konnte.


Die feierliche Eröffnung des Museums erfolgte anlässlich des Internationalen Museumstages am 18. Mai 2014. Der Museumstag stand unter dem Motto „Sammeln verbindet“. Pünktlich um 11.00 Uhr durchschnitten Jan Steppe, Vorsitzender des Tauchsportklubs Adlershof im Pro Sport 24 e.V., und „Museumsdirektor“ Otmar Richter das Eröffnungsband.



Zur Eröffnung drängten sich über einhundertfünfzig Besucher vor den nunmehr weit über dreihundert der vielfältigsten Exponate gefüllten Vitrinen. Unter den Gästen befanden sich natürlich viele „Alten Karpfen“ und aktive Mitglieder des Tauchsportklubs Adlershof. Sie bestaunten die gesammelten Exponate, sahen historisches Filmmaterial, fachsimpelten und tauschten Erinnerungen aus.


Nach der Eröffnung des Museums kehrte keine Ruhe ein. Einige Besucher hatten bereits zur Eröffnungsveranstaltung neue Exponate mitgebacht und dem Museum zur Verfügung gestellt. Auch in der Folgezeit wurden wir immer wieder mit interessanten Stücken aus längst vergangenen Jahrzehnten des Sporttauchens bedacht.


Tauchpionier Gerhard Steinert (links) und Roger Blum (rechts) im Sporttauchermuseum Berlin


Schon bald mussten neue Vitrinen angeschafft und die Ausstellungsfläche vergrößert werden. Das Museum wurde Ort verschiedener Veranstaltungen. Neben regelmäßigen Vorträgen und Führungen ist es Treffpunkt des alljährlichen „Alte Karpfen“-Treffens. Auch beteiligt sich das Sporttauchermuseum am Internationalen Museumstag und an der Langen Nacht des Tauchens.


Das Sporttauchermuseum ist auch Begegnungsstätte für Jung und Alt. Denn nicht nur als Museum soll es interessierte Besucher zur Besichtigung der Exponate animieren, sondern es dient auch als tauchsporttechnisches Lehrkabinett mit angeschlossener historischer Bibliothek der traditionsbewussten Ausbildung von Sporttauchern. Unter dem Motto „Junge Sprotten treffen Alte Karpfen“ wurde das Projekt im Jahre 2015 mit einem „Silbernen Stern des Sports“ ausgezeichnet. Die Jury des vom Deutschen Olympischen Sportbundes, den Landessportbünden und den Volks- und Raiffeisenbanken ausgeschriebenen Wettbewerbs würdigte die generationenübergreifende Arbeit der Adlershofer Taucher.


Quelle: Roger Blum/Steven Blum: Schwerelose Zeiten - Tauchererinnerungen, Berlin (2020)



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