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Das Schicksal der „Henn´s Revange“

Das Flugzeugwrack im Großen Glasowsee


Ein Beispiel, wie mit Hilfe von Tauchern das Schicksal verschollener Besatzungsmitglieder aufgeklärt werden konnte, zeigt die Spurensuche rund um die „Henn´s Revange“ im Großen Glasowsee im Nordosten Berlins.

Am 10. April 1945 griff die U.S. Air Force mit duzenden „Fliegenden Festungen“ Oranienburg an. Unter den Maschinen befand sich auch die B-17G „Henn´s Revange“. Sie stand unter dem Kommando von Lt. Robert I. Murray. Die Maschine wurde von seiner Besatzung „Henn´s Revenge“ getauft, in Erinnerung an einen Offizier namens Henn, der bei einem früheren Kampfeinsatz schwer verwundet wurde. Wie in der Air Force üblich, durfte die Crew die Rumpfspitze „ihrer“ Maschine bemalen und den selbstgewählten Namen darauf weithin sichtbar zu vermerken.

Gegen 14.30 Uhr wurde die erste Angriffswelle geflogen. Knapp eine halbe Stunde später erreichte der zweite Bomberverband Oranienburg. Die amerikanischen Bomber befanden sich gerade auf dem nordöstlich gerichteten Abflug, als die Formation von deutschen Me-262 Düsenjägern angegriffen wurde. Fünf Bomber und ein Jagdflugzeug vom Typ P-51 Mustang wurden abgeschossen. In seinen Memoarien behauptet der Ritterkreuzträger Walter Schuck vom Jagdgeschwader 7, die „Henn´s Revenge“ abgeschossen zu haben (W. Schuck: Abschuss – Erinnerungen an die Luftkämpfe bei den Jagdgeschwadern 5 und 7, S. 210 ff.).

Ein Zeitzeuge berichtete, dass kurz nach dem Absturz des amerikanischen Jägers ein amerikanischer Bomber abgestürzt sei. In den Nachkriegsjahren wurden am Ufer des Glasowsees die sterblichen Überreste von mehreren Besatzungsmitgliedern gefunden. Sie wurden zunächst auf dem Friedhof in Groß Schönebeck bestattet und im August 1947 auf einen amerikanischen Soldatenfriedhof nach Belgien überführt. Einziger Überlebender war der Bordmechaniker Vito Brunale. Vom Kommandanten Robert I. Murray fehlte bislang jede Spur.


Wrackreste eines Flugzeugs auf dem Grund des Großen Glasowsees
Wrackreste eines Flugzeugs auf dem Grund des Großen Glasowsees

Nachdem im Jahre 2017 Wrackreste und ein Fallschirm im Glasowsee gefunden wurden, ist über die Arbeitsgemeinschaft Luftfahrtarchäologie Oderland die US-amerikanische Behörde JPAC (Joint POW/Missing in Action Accounting Command) informiert worden. Die dem US-Verteidigungsministerium unterstellte Dienststelle mit Sitz auf Hawaii hat die Aufgabe, nach Kriegsgefangenen oder vermissten US-Soldaten zu suchen. Die Behörde unterhält ein auf Hawaii ein forensisches Labor mit Spezialisten für DNA-Analysen, Zahnkunde und Pathologie. Das JPAC hat mehrere Such- und Bergungsteams, die über die ganze Welt verteilt arbeiten, um vermisste amerikanische Militärangehörige zu finden, zu bergen und in die Vereinigten Staaten zu überführen.


 Ein Fallschirm an den Wrackresten führte auf die Spur des vermissten Kommandanten Robert Murray
Ein Fallschirm an den Wrackresten führte auf die Spur des vermissten Kommandanten Robert Murray

Der Verdacht, dass der Kommandant Lt. Robert Murray gefunden war, verdichtete sich, nachdem ein Stück des Fallschirms zur weiteren Untersuchung übergeben wurde. Das JPAC schickte ein Team in die Schorfheide, um vor Ort die Wrackteile zu begutachten und nach Spuren des vermissten Piloten zu suchen.


Bergungsfloß des JPAC-Teams auf dem Glasowsee
Bergungsfloß des JPAC-Teams auf dem Glasowsee

Die weiteren Tauchgänge und Untersuchungen bleiben dem JPAC vorbehalten. Die sterblichen Überreste des vermissten Piloten können nun nach fast 75 Jahren geborgen und in seine Heimat überführt werden.

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