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Abseits des Massentourismus: Ausflug nach Mazedonien und in den Kosovo

Aktualisiert: 20. Jan.

Nach einem langen Bürgerkrieg erklärte der Kosovo vor wenigen Jahren seine Unabhängigkeit von Serbien. Die Lage im Land hat sich mittlerweile stabilisiert und der Tourismus beginnt sich langsam zu entwickeln. Der Kosovo ist aber noch weit entfernt vom Massentourismus. Ein Grund mehr, diese Region zu erkunden. Hier ein kleiner Bericht über meinen Ausflug in dieses Land auf dem Balkan.





Um es vorweg zu nehmen: Eine Fahrt in den Kosovo bedarf einiger kleiner Vorbereitungen. Wir mussten eine schriftliche Genehmigung von unserer Mietwagenagentur einholen und benötigten zudem eine gesonderte Versicherungspolice, da die Grüne Versicherungskarte im Kosovo nicht ausreicht. Die Autorisierungspapiere für unsere Fahrt von Bulgarien über Mazedonien in den Kosovo erhielten wir von unserer Mietwagenagentur gegen ein kleines Entgelt von 55,00 EUR. Die zusätzliche Kfz-Versicherung für den Kosovo konnten wir unproblematisch für 15,00 EUR an der Grenze abschließen. Dem Ausflug stand also nichts mehr im Wege.



Fahrt von Bulgarien über Mazedonien in den Kosovo



Nach einem frühen Aufstehen und einem zügigen Frühstück fuhren wir im bulgarischen Skiort Borovets im los. Der Ort befindet sich etwa eineinhalb Autostunden südlich von Sofia. Obwohl es schon Mitte April war, lag noch etwas Schnee und einige Skifahrer genossen ihre Abfahrten bei strahlendblauem Himmel und Sonnenschein. Wir hatten einen schönen Blick auf die schneebedeckten Berge des Rila-Gebirges. Deutlich zu erkennen war der Gipfel des Musala (2.925 m). Über Samokov und Dupnica fuhren wir durch eine weite Ebene die E62 entlang nach Kjustendil. Die 20 km von der mazedonischen Grenze entfernte Stadt gehört zu den ältesten Städten Bulgariens. Die Einreise nach Mazedonien gestaltete sich unproblematisch. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Unser Weg führte uns dann über die kurvige, schöne Berglandschaft entlang eines kleinen Flusses Richtung Westen.



Idyllische Landschaft in Mazedonien



Wir ließen die Berge hinter uns und fuhren durch eine trockene Landschaft weiter nach Skopje. Schon aus der Ferne sahen wir das Millenniumskreuz, ein 66 m hohes und 42 m breites Stahlgerüst-Kreuz auf dem Gipfel des Berges Vodno bei Skopje.





Skopje ist seit 1991 die Hauptstadt der Republik Mazedonien. Die Stadt am Fluss Vardar liegt 18 km südlich der Grenze des Kosovo. Die Stadt ist Regierungssitz, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Mazedoniens. Etwa ein Viertel der Bevölkerung des Landes leben hier. Schon von weitem sahen wir die Minarette der Moscheen und die typischen Plattenbauten aus der sozialistischen Jugoslawien-Ära, die das Stadtbild prägen. Skopje hat eine mehr als zwei Jahrtausende zurückreichende Besiedlungsgeschichte. Besonders stolz ist man hier auf den Nationalhelden Alexander dem Großen. Sowohl der Flughafen als auch die Autobahn sind nach ihm benannt und im Stadtzentrum steht ein 22 m hohes Reiterstandbild Alexanders des Großen. Während des Kosovokrieges wurden in Skopje Tausende von Flüchtlingen aus dem Kosovo aufgenommen.


Kurz vor Skopje ging es dann Richtung Norden zur Grenze des Kosovo. Wir nutzten den Grenzübergang Han i Elezit im Südosten des Landes. Es ist der wichtigste Straßen- und Bahngrenzübergang zwischen Mazedonien und dem Kosovo. Die Abfertigung an der Grenze ging zügig. Für den Kosovo mussten wir eine Kfz-Haftpflicht abschließen. Für 14 Tage kostet diese für Kleinwagen 15,00 EUR und für Lkw´s 77,00 EUR. Unser Geländewagen galt laut Zulassung als „Truck“, doch wurden „Augen zugedrückt“ und wir brauchten nur die Gebühr für einen Kleinwagen bezahlen. Auch die Grenzbeamten waren sehr freundlich und sprachen sogar sehr gut Deutsch.


Bedenken hatte ich wegen der Sicherheitslage. Das Auswärtige Amt wies jedoch lediglich auf eine angespannte Lage im Norden des Kosovos hin, die Lage im restlichen Teil des Kosovo soll angeblich ruhig und stabil sein. Der Kosovo ist nach Einschätzung von UNMAAC mittlerweile weitgehend minenfrei. Reisenden wird dennoch geraten, die befestigten Straßen und ständig befahrenen Wege nicht zu verlassen, um ein Restrisiko auszuschließen. Die größte Gefahr – so wurden wir gewarnt uns – sollen die Straßen sein. Schlechter Straßenbelag sowie defekte Straßen- und Kfz-Beleuchtung sollen höchste Aufmerksamkeit beim Autofahren erfordern. Auf der Straße von Skopje Richtung Pristina war davon aber nichts zu merken. Die Straße war in einem guten Zustand.


Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist weiterhin umstritten. Das Land war ehemals Bestandteil der förderativen Bundesrepublik Jugoslawien und seit 2003 eine Teilregion der Republik Serbien. Seit dem Kosovo-Krieg stand das Gebiet unter Verwaltung der Vereinten Nationen bis es am 17. Februar 2008 seine Unabhängigkeit proklamierte. Während Deutschland und die meisten EU-Staaten den Kosovo mittlerweile als souveränen Staat anerkennen, sind vor allem Serbien, Russland, China, aber auch einige EU-Staaten wie Spanien, Griechenland und Rumänien gegen eine völkerrechtliche Anerkennung des Landes (Stand: April 2017). Aufgrund des international umstrittenen Status des Kosovo gilt es ein paar Dinge zu beachten. Serbien reklamiert kosovarische Stempel im Reisepass. Dies kann angeblich sogar zur Einreiseverweigerung führen. Angeblich kann man an der Grenze zum Kosovo statt des Stempels auch eine „Arrival Form“ ausgehändigt bekommen, die bei der Ausreise wieder abgegeben werden muss. Ein derartiges Prozedere kannte ich bereits bei der Einreise von der Republik Zypern in die Türkische Republik Nordzypern, die international nur von wenigen Staaten anerkannt ist. Wir bekamen erst gar keinen Stempel in den Reisepass.


Wir fuhren von Han i Elezit durch die Kacanik-Schlucht entlang des Flusses Lepenc nach Kacanik. Die Stadt im südöstlichen Kosovo befindet sich etwa 50 km südlich von Pristina. Sie ist Hauptsitz der dazugehörenden Großgemeinde. Das Stadtzentrum wird geprägt durch eine Moschee, einen Bahnhof und einige Plattenbauten.



Blick auf das Stadtzentrum von Kacanik



Im Zentrum besuchten wir die Überreste einer mittelalterlichen Burganlage. Sie stammt aus dem späten 16. Jahrhundert und wurde von Koxha Sinan Pasha, dem Gründer der Stadt, im Jahre 1582 im Auftrag des Sultans Murat II. erbaut. Heute sind noch zwei Mauern und ein Teil des Eingangstores erhalten.



Blick auf die Kacanik-Bucht mit Flußlauf und Historische Festung in Kacanik



Nach einer Besichtigung der Stadt fuhren wir wieder zurück nach Mazedonien. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Fotostopp an der Kacanik-Schlucht ein. Alles in allem war der Ausflug in den Kosovo sehr interessant. Die Einwohner wirkten entspannt und freundlich. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage im Kosovo weiterhin normalisiert und sich das Land dem Tourismus öffnet.

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