Nasses Erbe in Gefahr: Bedrohung von UW-Denkmalen durch Wasserrückgang und invasive Arten
- Roger Blum

- vor 2 Tagen
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AKUWA-Tagung 2026 zu Gast in Brandenburg
Vom 20. bis 22. März 2026 fand die diesjährige Tagung des Arbeitskreises der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (AKUWA) in Brandenburg statt. Die Tagung fokussierte sich auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Unterwasser- und Feuchtbodenfundplätze, insbesondere durch Wasserrückgang und invasive Arten wie die Quagga-Muschel, Kamberkrebse oder die Bohrmuschel. Fachvorträge im Paulikloster und Exkursionen, darunter zum Werbellinsee und nach Friesack, verdeutlichten die Bedrohung des „nassen Archivs“ und diskutierten Schutzstrategien.

Tauchgang an der Kemlade von Altenhof am ersten Veranstaltungstag
Der erste Tag begann mit einer Tauchexkursion zum Werbellinsee. Taucher des Vereins für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e.V. (VUBB) unterstützen die Veranstalter und boten den aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angereisten Tauchern eine Unterwasserführung zur mittelalterlichen Kemlade von Altenhof an.

Es zeigte sich, dass viele Pfähle des Pfahlbaus von Altenhof mit Dreikantmuscheln besetzt waren. Seit mehreren Jahren breitet sich die invasive Quagga-Muschel explosionsartig im Werbellinsee aus. Der Tauchgang am Pfahlfeld von Altenhof bot einen guten Einstieg zum Tagungsthema.
Nach dem Tauchgang im Werbellinsee gab es am Abend bereits den ersten Vortrag über einen steinzeitlichen Fundplatz Friesack im Havelland. Im Archäologischen Landesmusem Brandenburg wurden Strategien zum Schutz vor Austrocknung des Fundplatzes erläutert.

Der zweite Veranstaltungstag der AKUWA-Tagung 2026 war gefüllt mit spannenden Vorträgen im Archäologischen Landesmuseum im Paulikloster Brandenburg.
Vorträge zu Monitoring-Verfahren, der Bedrohung durch invasive Arten und archäologischen Auswirkungen schwankender Pegel bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt des zweiten Veranstaltungstages. Beispielhaft zu nennen ist der Vortrag von Tobias Pflederer und Robert Angermayr „Niedrigwasser und Quagga-Bedrohung-Monitoring und Fotogrammetrie an der UNESCO-Welterbestätte Roseninsel im Starnberger See“ und ein Vortrag von Virginia Jark zu Wasserstandsschwankungen und ihre archäologischen Auswirkungen auf die slawische Burgwallinsel Vipperow in Mecklenburg-Vorpommern. Der VUBB-Beitrrag beschäftigte sich mit dem Einfluss invasiver Kamberkrebse auf die Holzsubstanz der Slawenbrücke im Liepnitzsee und Thomas Förster berichtete über die Ausbreitung der Bohrmuschel Teredo navalis in der südwestlichen Ostsee im Spiegel aktueller Klimaveränderungen. Insgesamt 14 Vorträge boten ein reiches Veranstaltungsprogramm, ergänzt durch angeregte Diskussionen und Erfahrungsaustausch. Ein gemeinsames Abendessen und geselliges Zusammensein beendeten den interessanten Tag.

Erfahrungsaustausch zwischen Sporttauchern und Unterwasserarchäologen
Der finale Tagungssonntag rundete das Programm mit einer gelungenen Kombination aus Theorie und Praxis ab. Den Auftakt bildete eine Führung durch das Archäologische Landesmuseum im Paulikloster, bei der die Teilnehmer die beeindruckenden Funde der Region bewundern konnten. Im Anschluss führte eine Exkursion direkt ins Havelland zum bedeutenden steinzeitlichen Fundplatz Friesack. Vor Ort wurden die zuvor theoretisch diskutierten Herausforderungen durch Austrocknung und Klimawandel noch einmal unmittelbar greifbar.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die diesjährige AKUWA-Tagung eine rundum gelungene Veranstaltung war. Sie bot nicht nur eine Plattform für den fachlichen Austausch, sondern setzte mit dem Fokus auf den klimabedingten Wasserrückgang einen wichtigen Impuls für den Schutz unseres gefährdeten Unterwassererbes. Ein herzliches Dankeschön gilt den Organisatoren und allen Beteiligten, die dieses ereignisreiche Wochenende in Brandenburg an der Havel ermöglicht haben.



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