Dublin's Diving Bell
- Steven Blum

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Während meiner Irland-Reise fiel mir im Hafen von Dublin ein besonderes Baudenkmal ins Auge: eine historische Taucherglocke aus dem viktorianischen Zeitalter. Als begeisterter Taucher war ich sofort interessiert.
Die große Taucherglocke am Sir John Rogerson’s Quay in Dublin vermittelt einen Eindruck davon, mit welcher Technik und unter welchen Bedingungen früher unter Wasser gearbeitet wurde. Taucherglocken wurden bereits seit Jahrhunderten eingesetzt, um Menschen für längere Zeit unter Wasser arbeiten zu lassen. In ihrem Inneren befand sich ein mit Luft gefüllter Raum, der es ermöglichte, Arbeiten an Hafenanlagen oder an Brücken durchzuführen. Bevor moderne Druckluftgeräte entwickelt wurden, gehörten solche Konstruktionen zu den wichtigsten Hilfsmitteln der Unterwassertechnik.
Die Taucherglocke im Hafen von Dublin wurde 1860 vom irischen Ingenieur Bindon Blood Stoney (13. Juni 1828 - 5. Mai 1909) entworfen. Stoney war ab 1856 Assistenz-Ingenieur, dann ab 1859 ausführender Ingenieur und schließlich ab 1867 Chef-Ingenieur für den Hafen von Dublin. Gebaut wurde die Taucherglocke 1866 in Drogheda, einer etwa fünfzig Kilometer nördlich von Dublin gelegenen Hafenstadt. Für den Bau der wurden 25 Gussteile miteinander verschraubt. Der Caisson (Senkkasten) war 15 m lang, 9 m breit und 2 m hoch. Der Luftschleusenschacht war 11 m lang. Das Gewicht der massiven Metallkonstruktion betrug 80,5 t. Der Bau kostete 500 Pfund.

Die Glocke ist hohl und unten offen. Im Einsatz wurde sie von einem schwimmenden Lastkahn aus in das Flussbett des Liffey abgesenkt. Eine Mannschaft von bis zu fünf Arbeitern stieg durch den Luftschleusenschacht zum Grund hinab. Der Schacht ragte über die Wasseroberfläche, über ihn wurde Druckluft in die Glocke hineingepumpt, um das Wasser fernzuhalten. So konnten die Männer am freigelegten Boden arbeiten. Der Umgebungsdruck betrug in der Glocke 2 atm. Die Temperatur im Inneren stieg schnell auf unerträgliche Werte an. Die Schichten waren kurz, dauerten in der Regel etwa vier Stunden. Die Arbeiter ebneten das Flussbett und legten das Kiesfundament, auf das dann Stonys massive Betonblöcke mit einem Gewicht von jeweils bis zu 350 Tonnen abgesenkt wurden. Das Ergebnis dieser Arbeit waren die Kais, die in Dublin noch heute genutzt werden.
Mit Hilfe der Taucherglocke entstanden zahlreiche Kaimauern des Dubliner Hafens, darunter Erweiterungen des Sir John Rogerson's Quay (Foto links). Eine der ungewöhnlicheren Aufgaben bestand im Februar 1885 darin, nach den Mordwaffen aus dem Phoenix-Park-Attentat im Grand Canal Dock (Foto Mitte und rechts) zu suchen.
Eine der ungewöhnlicheren Aufgaben, bei dem die Taucherglocke eingesetzt wurde, war die Suche nach den Mordwaffen aus dem Phoenix-Park-Attentat. Im Mai 1882 war der neuernannte Chefsekretär für Irland, Lord Frederick Cavendish, nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Dublin zusammen mit dem Staatssekretär Thomas Henry Burke im Phoenix Park von irischen Nationalisten erstochen worden. Die Nationalistengruppe nannte sich „The Invincibles“. Ein Mitglied der Gruppe behauptete später, die Tatwaffen am Dock von Ringsend (Grand Canal Dock) ins Wasser geworfen zu haben. Im Februar 1885 wurde die Taucherglocke bei der Suche nach den Messern eingesetzt. Mehrere Tage wurde das Hafenbecken durchsucht. Die Suche erregte internationales Aufsehen, insbesondere in England. Allerdings wurden die Messer nie gefunden. Noch im selben Sommer wurden fünf Mitglieder der „Invincibles“ gehängt, die übrigen zu langen Haftstrafen verurteilt.
Die Taucherglocke war von 1871 bis 1958 im Einsatz. Während ihrer 87-jährigen Einsatzzeit wurde sie auch für viele weitere, weit alltäglichere Arbeiten eingesetzt. Besonders nützlich war sie beim Entfernen der Überreste alter hölzerner Anlegestege. Dabei befestigten die Arbeiter Ketten an der Decke der Glocke und verbanden diese mit den alten Holzpfählen. Anschließend wurde die Taucherglocke angehoben und zog die Pfähle aus dem Schlamm – wie einen Korken aus einer Flasche.
Nachdem die Taucherglocke Ende der 1950er Jahre außer Dienst gestellt worden war, rostete sie jahrzehntelang vor sich hin und schien in Vergessenheit zu geraten. 2015 wurde sie von der Dublin Port Company restauriert und auf eine Ausstellungsplattform gehoben. Seitdem ist sie als öffentlich zugängliches Industriedenkmal ein Teil des „Distributed Museum“ des Dubliner Hafens.










Kommentare