top of page

Das Geisterschiff von Malmok Beach: Tauchen am Wrack der „Antilla“

Aktualisiert: 22. Jan.

Aruba - die Insel kann sich mit einigen der schönsten Strände der Welt - mit weißem Sand, türkisfarbenen Wassern und Kokospalmen bis ans Meer - rühmen. Eine wahre Postkartenidylle, die in Wirklichkeit noch viel schöner als auf Fotos ist. Nur wenige hundert Meter vor dieser Traumkulisse liegt im seichten Wasser eines der größten Wracks der Karibik – die „Antilla“. Geisterschiff wird das Wrack von den Einheimischen genannt. Die Mischung aus interessanter Geschichte und imposanter Größe hat das Weltkriegsrelikt zu einem beliebten Ziel für Taucher und Schnorchler gemacht.



Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um das Wrack und seine angeblich geheime Ladung. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Schiff zur Versorgung der vor der venezuelanischen Küste patroullierenden deutschen U-Boote eingesetzt wurde. Doch welche Geschichte verbirgt sich tatsächlich hinter dem Untergang?



Die „Antilla“ wurde 1939 in Hamburg gebaut. Sie lief am 15. Juli 1939 unter dem Kommando von Kapitän Ferdinand Schmidt auf der Hamburg-Amerika-Linie der Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) zu ihrer Jungfernfahrt aus. Das Schiff war mit zwei Dampfturbinen ausgestattet, die an einen Elektromotor angeschlossen waren. Mit diesem neuartigen Hybridantrieb war die „Antilla“ eines der modernsten Frachtschiffe ihrer Zeit. Die Jungfernfahrt sollte zugleich ihre letzte Fahrt sein. Ziel waren die Gewässer der Karibik, zunächst Curacao, dann Kolumbien (Puerto Colombia sowie Cartagena), gefolgt von Häfen in Panama, Costa Rica und Guatemala, um Fracht aus Deutschland abzuladen. Danach lud sie in Galveston (Texas) 3000 t Schwefel. Hier empfing Kapitän Schmidt am 25. August 1939 eine an alle deutschen Handelsschiffe gerichtete Funkmeldung mit dem Codewort "Essberger". Dies war ein Signal an alle Handelskapitäne, einen versiegelten Umschlag mit Anweisungen zu öffnen, der den Befehl enthielt, sofort die Hauptschifffahrtsroute zu verlassen. In einer zweiten Nachricht gab es die Order, das Aussehen der Schiffe zu ändern und die deutsche Herkunft zu verschleiern. Es sollte möglichst schnell Kurs auf Deutschland genommen werden. Kapitän Schmidt entschied sich zunächst nach Cartagena auszulaufen. Drei Tage nach der ersten Nachricht empfing er eine weitere verschlüsselte Botschaft, die alle Handelsschiffe anwies, die innerhalb von vier Tagen keinen deutschen Hafen erreichen konnten, neutrale Häfen anzulaufen. Von Cartagena nahm er umgehend Kurs auf die neutralen Gewässer der Niederländischen Antillen. Auf seinem Weg nach Curacao wurde Kapitän Schmidt informiert, dass der Hafen von Curacao mit deutschen Schiffen überfüllt sei. Am 1. September 1939 erreichte die „Antilla“ dann Aruba, wo bereits die deutschen Frachter „Konsul Horn“, „Heidelberg“ und „Troja“ vor Anker lagen.


Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 errichteten die Alliierten eine Seeblockade. Der „Konsul Horn“ gelangte am 9. Januar 1940 getarnt als russischer Frachter eine abenteuerliche Flucht nach Deutschland. Die „Troja“ und die „Heidelberg“ hatten bei ihren Durchbruchsversuchen weniger Glück. Sie unternahmen am 29. Februar 1940 einen Versuch, die Seeblockade zu durchbrechen und wurden von britischen Zerstörern entdeckt, woraufhin die Schiffe am 1. bzw. 2. März von der eigenen Besatzung selbstversenkt wurden. Die „Antilla“ brach ihren Fliuchtversuch schon bald nach der Sichtung eines alliierten Kriegsschiffs ab. Sie ankerte dann vor Malmok Beach im Nordwesten Arubas.


Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Holland am 10. Mai 1940 trat Aruba als Teil des Königreichs der Niederlande an der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Umgehend wurde angeordnet, das Schiff zu beschlagnahmen und die Besatzung zu verhaften. Kapitän Schmidt verweigerte jedoch den Zutritt an Bord. Anstatt die „Antilla“ an den Feind zu übergeben, entschied er sich, das Schiff zu versenken. Er ließ an mehreren Stellen Feuer legen und den Maschinenraum fluten. Als das Schiff um fünf Uhr morgens von der holländischen Marine geentert wurde, brannte es bereits lichterloh und bekam langsam Schlagseite. Von Stunde zu Stunde neigte sich das Schiff weiter zur Seite. Um 06.50 Uhr wurde berichtet, dass die „Antilla“ von Bug bis Heck brannte und um 20 Grad nach Backbord lag. Am Morgen gegen 11.30 Uhr versank sie dann endgültig im Meer.



Ein Dreivierteljahrhundert später tauche ich an dieser Stelle. Wir ankern vor dem schmalen Sandstrand von Malmok Beach. Nur knapp 700 m sind es bis zum Ufer. Im klaren Wasser der Karibischen See zeichneten sich die Umrisse des Wracks ab. Die Sicht ist hervorragend. Ich checke meine Ausrüstung und lasse mich in Wasser gleiten. Vor mir liegt der riesige Stahlrumpf der 121 Meter langen „Antilla“. Das Schiff ist in drei große Teile zerbrochen und liegt in knapp 18 Meter Tiefe auf die Seite gedreht auf dem Sandgrund. Es ragt fast bis zur Oberfläche. Überall sehe ich deformierten und geborstenen Stahl. Das Wrack bietet zahlreichen Tieren ein zu Hause, doch der Korallenbewuchs ist eher spärlich, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass das Wrack häufig Stürmen ausgesetzt ist. Im Jahre 1953 zerbrach das Wrack in einem schweren Sturm in zwei Teile. In der Schicksalsnacht 1940 versank sie mit intakter Außenhülle.

18 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page