SEALAB II: Auf den Spuren der Aquanauten
- Steven Blum

- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Anlässlich des Jubiläums von SEALAB II bin ich in die USA nach Panama City gereist. Sechzig Jahre nachdem die ersten Aquanauten in dem Habitat vor der kalifornischen Küste lebten, wollte ich an der Geburtsstätte des SEALAB-Programms sehen, wie an dieses Kapitel der Tauchgeschichte heute erinnert wird.
62 Meter unter der Oberfläche
Am 28. August 1965 begann vor La Jolla, Kalifornien, ein Experiment, das für die Entwicklung des professionellen Tauchens von großer Bedeutung werden sollte. SEALAB II, ein künstlicher Lebensraum, wurde in rund 62 Metern Tiefe auf dem Meeresboden aufgebaut.
Was SEALAB II aus heutiger Sicht so faszinierend macht, ist der Gedanke hinter dem Experiment: Menschen sollten nicht einfach für einen kurzen Tauchgang hinuntergehen und anschließend wieder an die Oberfläche zurückkehren. Über längere Zeit sollten sie am Meeresboden in einem Unterwasserhaus leben und von diesem aus ihre Arbeit in der Tiefe durchführen.

Das entscheidende Stichwort lautet Sättigungstauchen. Wenn der Körper über längere Zeit dem erhöhten Druck ausgesetzt ist, erreicht der gelöste Stickstoff im Gewebe schließlich ein Gleichgewicht mit dem Umgebungsdruck. Der Taucher kann dann wiederholt in der Tiefe arbeiten, ohne für jeden einzelnen Arbeitseinsatz eine vollständige Dekompression durchführen zu müssen. Erst am Ende des Aufenthalts steht die lange Dekompression zurück an die Oberfläche. Was heute für viele Berufstaucher selbstverständlich klingt, war damals sowohl technologisches als auch medizinisches Neuland.
„Vater des Sättigungstauchens“ war George F. Bond. Seit 1957 untersuchte der Navy-Mediziner die Auswirkungen von erhöhtem Umgebungsdruck und unterschiedlichen Atemgasgemischen. Die Versuche führten schließlich zu bemannten Sättigungsexperimenten und ebneten den Weg für die SEALAB-Experimente.
45 Tage auf dem Meeresboden
SEALAB II war kein kurzer Test. Das Experiment lief insgesamt 45 Tage. Drei Teams mit jeweils zehn Aquanauten verbrachten jeweils 15 Tage in dem Habitat. Der wohl bekannteste Teilnehmer war der frühere Astronaut Scott Carpenter,der sogar 30 Tage unter Wasser blieb.

Der Geist von SEALAB
Erinnerungen an SEALAB und die Geschichte des Sättigungstauchens werden im Man in Sea Museum in Panama City bewahrt. Das Museum wurde 1982 gegründet und ist eng mit ehemaligen SEALAB-Teilnehmern sowie mit der Entwicklung des militärischen, wissenschaftlichen und kommerziellen Tauchens verbunden.
Zu sehen sind historische Tauchausrüstungen, vor allem aus dem militärischen Tauchen. Ein großer Bereich beschäftigt sich mit der Geschichte der Dekompressionskrankheit und frühe Ausrüstungen zur Bergung von Personal aus gesunkenen U-Booten. Im Außenbereich sind Swimmer Delivery Vehicles ausgestellt, Unterwasserfahrzeuge, mit denen Navy SEALs sich unter Wasser von einem Einsatzfahrzeug oder U-Boot aus in Richtung Einsatzgebiet bewegen konnten.
Das bekannteste Ausstellungsstück ist das originale SEALAB I. Das erste amerikanische Unterwasserhabitat wurde 1964 hier in Panama City gebaut und anschließend vor den Bermudas eingesetzt. Die Erkenntnisse des Einsatzes wurden Grundlage für die folgenden SEALAB-Missionen und für die Entwicklung des kommerziellen Sättigungstauchens.
Tauchgeschichte verbindet
Auf den Tag genau 60 Jahre nach dem Einsatz von SEALAB II traf ich mich vor Ort mit Steve Mulholland, dem Direktor des Museums. Als ehemaliger US-Navy-Master-Diver kennt er die Welt des professionellen Tauchens nicht nur aus Büchern und Archiven. Seine eigene Erfahrung prägt auch den Blick auf die zahlreichen historischen Exponate des Museums.
Das Museum baut seine Sammlung und seine historische Dokumentation weiter aus. In diesem Jahr wurde eine neue Bibliothek eingerichtet. Bücher, Dokumente und Literatur rund um die Entwicklung des Sättigungstauchens sollen hier zusammengeführt und für Interessierte zugänglich gemacht werden.
Für mich war das natürlich ein besonders schöner Anlass, nicht mit leeren Händen zu kommen. Ich hatte mein Buch über das deutsche Unterwasserlabor „Helgoland“ im Gepäck. Denn zwischen der amerikanischen SEALAB-Geschichte und dem UWL "Helgoland“ gibt es eine Verbindung, über die außerhalb der Fachwelt erstaunlich wenig bekannt ist. Und diese Verbindung trägt einen Namen: George F. Bond. Der amerikanische Mediziner und Tauchpionier, der die Entwicklung der SEALAB-Projekte maßgeblich geprägt hatte, war 1968 als medizinischer Leiter des UWL Helgoland-Einsatzes vor der Ostküste der USA auch in das deutsche Unterwasserhabitat-Projekt eingebunden.




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