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Tauchen in Djibouti

Djibouti (französische Schreibweise) war bis 1977 französische Kolonie, ist heute Präsidialrepublik mit ca. 1 Mio. Einwohnern und gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Das Land ist mit ca. 23.000 km² kleiner als das Bundesland Brandenburg. Mit seiner Lage am Horn von Afrika liegt es im Zentrum einer politisch nicht einfachen Region: grob gesagt – Eritrea im Norden, Äthiopien im Westen, im Süden Somalia und östlich der Golf von Aden / die arabische Halbinsel mit Jemen. Seit der Abtrennung Eritreas hat Äthopien keinen Zugang mehr zum Meer, so dass Djiboutis Hafen von großer Bedeutung für die Versorgung des Nachbarn ist. Neben dem Hafen, der nach eigener Beobachtung vor allem durch chinesische Unternehmen stark ausgebaut wird, spielen noch Salz und wahrscheinlich auch die Militärbasen eine wirtschaftliche Rolle. Darüber hinaus ist Djibouti aber vor allem aus geologischen Gründen sehr interessant: hier finden wir den tiefsten Punkt Afrikas als Ergebnis von Erdsenkungen (Depression) und das salzhaltigste Gewässer der Erde (35 %, 2 bis 7 % mehr als im Toten Meer) außerhalb der Antarktis.


Im Dezember 2018 ging´s dann los, über Istanbul, am Roten Meer entlang zum International Airport Djibouti-City (zwei Gates) mit Ankunft am frühen Morgen. Nach Erledigung der Visaformalitäten, es empfiehlt sich, das notwendige Visum vorher zu beschaffen, ging es dann zum Hafen, mit uraltem Pickup, einem Fahrzeug wie viele andere in Djibouti auch.


Einschiffung auf „M/SY Elegante“, einem unter maltesischer Flagge in Djibouti fahrendem Schiff und einer äußerst hilfsbereiten Mannschaft. Das war auch notwendig, denn das Tauchgepäck war beim Umstieg in Istanbul wegen Verspätung in der Ankunft dort nicht umgeladen worden. Mit viel Verständnis für das entstandene Problem erhielt ich sofort unkomplizierte Hilfe. Die wichtigsten Tauchutensilien (Logbuch, Brevet, Lampe, eine Kamera) waren im Handgepäck mitgeführt worden. Also konnte getaucht werden.


Erster Tauchgang am Wrack Le Faon. Hunderte Barakuda waren anzutreffen – eine Kinderstube, sowie ein über 1 m großer Zackenbarsch. Und weil aus vorherigen Reisen nach Südostasien noch nicht ganz aus der Übung, dem Tauchpartner Pyjamanacktschnecke zeigen können. Zweiter Tauchgang in Abenddämmerung am La Canyon – ziemlich öde Angelegenheit schon mal wegen schlechter Sicht. Nach dem leckeren Abendessen ging es ziemlich schnell ins Bett.



Zackenbarsch und Netzmuräne


Zweiter Tag: Das Schiff hat wieder umgesetzt zum Wrack Le Faon. Diesmal war sehr gute Sicht (> 15 m) und die „eigene Tauchausrüstung“ wurde durch den Fund einer Taucherboje ergänzt. Weiterfahrt in den Golf von Tadjoura, schöner Mittagstauchgang und nochmals weiter. Dort sichteten wir bei hereinbrechender Abenddämmerung die erste Karettschildkröte.


Vom Ankerplatz der Nacht aus in östlicher Richtung betauchten wir bei einem Early Morning Dive am dritten Tag ein sehr schönes Riff, das teilweise in ein Plateau in ca. 10 m Tiefe übergeht. Hier ein Wort zur Farbenpracht: Diese ist nicht so bunt wie z. B. Im Roten Meer. Ein Grund könnte in der relativ höheren Menge verfügbaren Planktons für die Ernährung der Korallen liegen, die hier weniger in Symbiose mit den Zooxanthellen als „Lebensmittelproduzent“ leben müssen. Also fehlt Farbe und das begründet auch die teilweise schlechte Sicht. Nach dem Tauchgang wurde in den Golf Le Ghoubbet umgesetzt, die zwischen den Gezeitenwechseln in der Durchfahrt vom Golf von Tadjoura mit ca. 200 m Breite relativ geringe Strömung nutzend. Nach weiterer einstündiger Fahrt Ankunft am nordwestlichen Ufer und es folgten Schnorchelgänge zu und mit Walhaien – dem eigentlichen Ziel der Reise. Gleich beim Ersten hatten wir es mit einer Gruppe von 12 bis 14 Jungtieren mit gut 5 m Länge zu tun, am Nachmittag dann mit etwas weniger Haien und etwas schlechterer Sicht.


Walhai vor der Küste von Djibouti


Vierter Tag: Early Morning Dive am La Faille – einer Erdbruchkante am nördlichen Ufer. Geologisch trennen sich hier die afrikanische und die asiatische Kontinentalplatten, auch wenn wir hier „nur“ in Afrika sind. Nach dem Frühstück ging es dann in Richtung Hafen, es wurde übergesetzt mit dem Dingi (motorangetriebenes Schlauchboot) und wenige Minuten später fuhr ein großer SUV vor, der Fahrer öffnete die Eckklappe und da war er, mein Koffer. Für das weitere Tagesprogramm wurden die notwendige Sachen entnommen, Jeans und Halbschuhe verstaut und wieder trennten sich mein und der Weg des Koffers. Der Koffer wurde zum Schiff übergesetzt und für unsere Gruppe von Fünf ging es zum Lac Assal (franz., Honigsee). Dieser See liegt mit seiner Oberfläche ca. 155 m unter dem Meeresspiegel und ist etwa 50 km² groß. Mit Einsatz aller verfügbaren Technik (Drohne) wurde das Naturerlebnis als Erinnerung festgehalten und ein Bad musste sein. Danach ging es weiter zu heißen Quellen und zu einer Stelle im Vulkangestein, wo der Erdbruch gut zu sehen ist. Abschluss des Tages bildete eine weitere Schnorcheltour zu den Walhaien, bei ziemlich heftiger Welle und Tieren, die sich diesmal nicht einfach zum Fressen an einer Stelle aufhielten. Dennoch war auch dies wieder ein tolles Erlebnis und der sportliche Effekt war immens.



Walhai bei Nacht


aucheralltag: Nochmaliges Tauchen am La Faille, diesmal ging es an einer Stelle in der Spalte auf knapp 38 m, zum Schluss wieder auf das schöne Plateau, wo uns zwei Oktopusse und zwei Schildkröten erfreuten, erstere nicht ganz freiwillig, schlussfolgert man aus ihren Tarnungsbemühungen. Der zweite Tauchgang des Tages führte uns nach Fahrt in Richtung Osten in die Bucht der Sterne, wie sie übersetzt heißt. Nacktschnecken, Schildkröten, aber vor allem ein schönes buntes Riff bei hoch stehender Sonne machten viel Spaß bei dem relativ langen Tauchgang. Danach Fahrt durch die Meerenge, bei starker Strömung und einigem Wind zurück in den Golf von Tadjoura an den bereits bekannten Platz Le Koralis. Hier kam es dann auch zum Zusammentreffen aller drei in Djiboutis Gewässern tourenden Taucherschiffe. Ein Nachttauchgang und anschließendes üppiges Abendbrot beendeten den erlebnisreichen Tag.


Letzter Tag der Tour: Der Morgentauchgang führte zu einem Platz unweit des nächtlichen Liegeplatzes, der erst kürzlich als interessanter Spot ausgemacht wurde – Turtle Bay. Leider hielt er nicht, was der Namen verspricht. Die Erzählungen vor- und nachher ließen Dutzende erwarten, gesichtet wurde eine. Dafür gab es genug Zeit, in sechs bis zehn Meter Tiefe nach den Versteckkünstlern zu suchen. Mehrere Lobster waren die Belohnung für die Mühen. Der zweite Tauchgang hatte auch so einen verführerischen Namen. Ähnlich läuft das Dive-Spot-Marketing auch in anderen Regionen, weshalb die Erwartungen von uns nicht hochgeschraubt wurden. Shark Island ist eine Miniinsel mit nach allen Seiten abfallenden Hängen und natürlich etwas Strömung. Über die Sichtweiten waren wir alle sehr positiv überrascht, d. h. 25 m sind hier schon ein guter Wert. Das Riff ist durchaus vergleichbar mit denen im Roten Meer, verschiedenste Fische gibt es in Fülle, dazu entspannte Schildkröte und wiederum Lobster. Und eben viele verschiedene bunte Korallen einschließlich Weichkorallen.


Die Weiterfahrt führte zum Hafen von Djibouti und es begann das Packen der zuvor bereits mäßig gespülten und inzwischen trockenen Sachen. Aber daran habe ich mich weniger beteiligt. Unsere kleine Tauchgruppe machte sich am Abend dann noch auf den Weg in die Stadt, nach „Downtown“. Die gesammelten Eindrücke kann ich hier nicht wiedergeben.


Für die Einen ist es der Abreisetag, für die Anderen der Anreisetag. Für mich galt es, die Sachen grob zu packen, ein paar Stunden totzuschlagen, um dann auf einem anderen Schiff wieder auszupacken. Die „tote“ Zeit dazwischen verbrachte ich am Pool des Hotels einer namhaften Hotelkette. Dort war dann auch, welche Überraschung in einem islamischen Land, ein Weihnachtsbaum zu sehen. Nach Abschied von der Besatzung der „Elegante“ erfolgte das Übersetzen zur nahe ankernden MY „Lucy“. Dass ich schon eine Woche Safari hinter mir hatte, war dort bereits bekannt. Das Schiff gehört mit Ausstattung und dem sonstigen Drumherum zur „höheren“ Klasse.


Diesmal waren vergleichsweise viele Gäste an Bord, überwiegend aus Frankreich, aber auch Schweden, den USA, Korea und ein weiterer Deutscher, mit dem ich ein Bodyteam („German Team“) bildete.


Die zweite Tour führte nach einem Frühstück wie zu erwarten zuerst an von der ersten Tour bekannte Tauchplätze. Beim ersten Gang (La Canyon ) war die Sicht nun mittelprächtig, gab aber dennoch einen guten Überblick über das schöne Riff. Nächster Tauchgang (wieder) am Le Fao – Wrack: Das Schiff sank 1972 nach einem 4-tägigen Brand im Maschinenraum. Die 25-köpfige äthiopische Besatzung wurde gerettet, von der Ladung gibt es heute keine Spuren mehr, es waren Bananen. Ein wunderschöner Nachttauchgang am Wrack rundete den Tag ab, dann Abendessen und Abfahrt zum Tauchgebiet der „Sieben Brüder“.


Am sehr frühen Morgen ca. 04:30 Uhr kamen wir an und ankerten an der größten von sechs Inseln. Dies sind die Brüder, Nummer „7“ ist ein hoch aufragender Vulkankraterrest auf dem Festland, was man von See aber so nicht erkennt. Der Jemen ist dagegen in Sichtweite. Imposant ist insbesondere die Insel, die von weitem wie ein Wal aussieht. Vom Liegeplatz aus werden die Tauchspots mit Dingi angefahren. Hier wird es teilweise sehr hart, wegen der Entfernungen und der Wellen. Dafür enttäuschten die ersten beiden Tauchgänge schon nicht. Wunderschöne Korallengärten und Delfine, sehr viele Rifffische und auch Schnecken – Taucherherz, was willst du mehr.



Der Nachmittagstauchgang fand unweit des Ankerplatzes statt, Name des Spots: Aquarium. Und das war es dann auch, nur dass es in einem Aquarium keine Brandung gibt und keine daraus resultierende Strömung. Nach dem schön-sportiven Tauchgang verzichteten dann alle auf den Nachttauchgang an gleicher Stelle.


Am nächsten Tag sollte besonders früh aufgestanden werden, da die vorgesehenen Tauchplätze weiter entfernt waren. Aus irgendeinem Grunde klappte das nicht ganz, dennoch ging es als Erstes ziemlich weit, das Equipment war in den Booten abgelegt, so dass das Sitzen den Ausgleich zum Wellengang ermöglichte, ohne nach ein paar Minuten schon platt zu sein. Erstes absolutes Highlight war ein riesiger Schwarm Gelbschwanz-Barrakuda (sphyraena flavicauda) mit abertausenden Fischen. Frühstück an Bord. Im zweiten Tauchgang erwarteten wir auf der Anfahrt schon gesichtete Delfine, aber sie kamen nicht zu uns, hörbar waren sie allemal. Bunte Korallen ohne Ende, gut mit bunten Fischen besetzt. Und ein riesiges Areal an Prachtanemonen, aber wenigen Spezialbewohnern „Nemo“, was dann doch verwunderte. Der dritte Gang des Tages gehörte zu den wieder Leichteren, relativ flach und mit viel Farbe und einigen guten Fotoobjekten wie Krokodilfisch, Leopardenmuräne, Schnecken usw. Insgesamt war der Tag anspruchsvoll, wegen der Wellen und vor allem den Strömungen, obwohl uns insbesondere beim zweiten Tauchgang der Gezeitenwechsel half.



Krokodilfisch


Nach dem Abendessen ging es in Richtung Golf von Tadjoura, die Nacht durch. Man könnte meinen, nun würden Wiederholungstauchgänge im Sinne „schon betaucht“ folgen. Ja und nein, es ist einfach auch gut, schon bekannte Tauchplätze nochmals intensiv zu erkunden.


Der Early-Morning-Dive am Ras Koralis, der zweite Gang führte zur Turtle Bay ganz in der Nähe und im Gegensatz zum Tauchen eine Woche zuvor gab es diesmal „Schildkröte satt“. Aus der Beobachtung der Tiere ist zu vermuten, dass sie zum Zeitpunkt eines frühen Tauchganges selbst zum Frühstück unterwegs sind und danach hier ruhen. Kaum auf dem Boot zurück, ging es mit Schnorchelsachen nochmals los, Walhaie beobachten, die sich schon den ganzen Vormittag in der Bucht aufhielten, einer war größer als die bisherigen. Die relativ gute Sicht machte daraus ein weiteres Highlight und der dritte Tauchgang wurde zugunsten eines nochmaligen Schnorchelausfluges abgesagt. Abendlicher Abschluss war ein BBQ am Strand mit regionsspezifischen Speisen (Lamm), entsprechender Zubereitung über offenem Feuer, Fladenbrot und Weiteres.



Am Morgen des nächsten Tages ging es ganz in den Westen, zu der Erdspalte, die ich schon betaucht hatte. Aber auch diesmal war es ein Erlebnis, einige Minuten kreiste ein Walhai über und um unsere Blubberblasen. Das Austauchen erfolgte über eine sehr große Plateaufläche mit vielen Tischkorallen – einfach wunderbar. Weitere Tauchgänge folgten in der Bucht der Sterne und im Golf von Tadjoura.



So nebenbei, an den letzten Abenden konnten wir vom Schiff aus auch Walhaie, Kalamarie (ca. 1 m lang), jagende Möwen und andere am/im Meer lebende Wesen beobachten – das Schiffslicht machte es möglich. An einem späten Nachmittag sichteten wir auch einen (verirrten?) Tiefseefisch, dessen Name ich bisher leider nicht ermittel konnte. Auch blieben Foto- und Filmversuche ergebnislos, Tiefseebewohner sind halt auch scheu.


Das übliche Ritual mit dem Spülen, Trocknen usw. und dann eine Einladung in ein djibutisches Restaurant, Speisen verständlicherweise arabisch, teilweise mit Curry bzw. Chili und natürlich französischem Einfluss. Auch deutliche Spuren der italienischen Küche sind zu finden - geschmeckt hat das Erwählte vorzüglich.


Die Abreise, nach dem Start nochmals einige Blicke auf unsere Tauchreviere Golf von Tadjoura und dem Archipel der „Sieben Brüder,“ Flug nach Istanbul, Umsteigen und letzte Etappe in die Heimat. Ein sehr erlebnisreicher Tauchurlaub war zu Ende, Erinnerungen werden sehr lange bleiben.


Text/Fotos: Uwe Scholz

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