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Der Tauchsportklub Adlershof im Pro Sport Berlin 24 e.V.

Vereinsgeschichte im Zeitraffer


Der Tauchsportklub Adlershof im Pro Sport Berlin 24 e.V. sitzt zusammen mit Ruderern und Seglern in unserem Vereinshaus in Wendenschloß. Die wechselvolle Geschichte dieser Sportgruppe soll nachfolgend im Zeitraffer vorgestellt werden.

Anfang der 1950er Jahre erkundeten die ersten Tauchsportler im Ostteil Berlins und umliegenden Umland mit selbstgebauten Masken, Schwimmflossen, Tauchgeräten und Kameras die Unterwasserwelt. Intensiv beschäftigten sie sich mit der Entwicklung neuer Tauchtechnik. Aus Schwammgummimatten bastelten sie Tauchanzüge, aus Schrott und Gasmasken entstanden Presslufttauchgeräte, Reifendruckprüfer wurden zu Tiefenmessern und aus alten Flugzeugteilen wurden Kompressoren zum Befüllen der Pressluftflaschen gebaut. Dem Erfindergeist waren keine Grenzen gesetzt. Natürlich wollten die Taucher ihre Erlebnisse auch auf Film bannen. Aus Milchkannen, Kochtöpfen oder Benzinkanistern entstanden erste Kameragehäuse.


Jürgen Schmidt, der Gründervater des TSK, im selbstgebauten Schwammgummi-Tauchanzug (um 1955)


Mitte der 1950er Jahre gab es bereits mehrere Tauchgruppen im Ostteil Berlins und es war eine Debatte darüber entbrannt, wie der Tauchsport in der DDR organisiert werden sollte. Als technische Sportart lag eine Einbindung in die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) nahe. Dies rief allerdings erheblichen Widerstand der „freien Taucher“ hervor, denn der Auftrag der GST bestand darin, den Jugendlichen vormilitärische Kenntnisse zu vermitteln und auf den Dienst in der Armee vorzubereiten. Viele Taucher lehnten daher die Eingliederung in die GST ab. Vor allem Unterwasserfotografen und -filmer plädierten für eine Anbindung an den Kulturbund, andere forderten einen Anschluss an den Schwimmsportverband oder auch den Deutschen Anglerverband. Statt vormilitärischem Drill bestand vielmehr ein Interesse an Unterwasserfotografie und -film. Im Jahre 1956 gründete Jürgen Schmidt beim Deutschen Fernsehfunk in Berlin-Adlershof einen Zirkel für Unterwasserfilm und –fotografie unter der Schirmherrschaft der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Durch den Umweg über die FDJ hatten sich die Adlershofer Taucher gegen den Vorwurf der „wilden“ Taucherei gewehrt und gleichermaßen den Zwängen einer Mitgliedschaft in der GST entzogen. Hier liegen die Wurzeln des Tauchsportklubs Adlershof.


Jürgen Schmidt (links) mit Tauchgepäck


Mit der Bildung des FDJ-Zirkels für Unterwasserfilm und –fotografie bei Deutschen Fernsehfunk war ein Weg gefunden worden, der die leidige Diskussion zu den Problemen der „wilden“ Taucher zunächst beendete. Nach dem Bau der Mauer wurde das Tauchen allerdings weiter eingeschränkt. Die „Anordnung über die Ausübung des Tauchens mit Tauchgeräten in der Deutschen Demokratischen Republik“ vom 31. März 1965 gestattete das Tauchen nur noch innerhalb der GST.  Der Schritt in die GST erfolgte nicht ohne Widerspruch. Es gab zwar teilweise ein Sträuben gegen eine Mitgliedschaft, doch das Argument „Ihr wollt doch weiterhin tauchen“ überwog. Die Adlershofer Taucher wurden GST-Mitglieder in der Grundorganisation des Rundfunktechnischen Zentralamtes. Jürgen Schmidt übergab berufsbedingt die Leitung an Eckard Richter. Mitte der 1970er Jahre ergriff Schmidt erneut die Initiative, organisierte Taucherlager und schaffte es, die Idee der fotografischen und filmischen Darstellung der Unterwasserwelt zu erhalten. Der ehemalige Zirkel für Unterwasserfilm und –fotografie hatte die Zeit überdauert und seine Bestimmung wiedergefunden.  Die „Wende“ konfrontierte die Adlershofer Taucher dann mit völlig neuen Herausforderungen. Die Vereine erhielten mit dem im Februar 1990 in Kraft getretenen Gesetz über Vereinigungen ihre Rechte und Freiheiten zurück. Damit sollte eine Überleitung in das bundesdeutsche Vereinsrecht ermöglicht werden. Jürgen Schmidt lud die Adlershofer Taucher zur Gründungsversammlung eines eingetragenen Vereins und so wurde am 13. Juni 1990 der „Tauchsportklub Adlershof e.V.“  gegründet. Erster Vorsitzender des neugegründeten Vereins wurde Otmar Richter.


Übergabe der Klubschlüssel von Jürgen Schmidt (rechts) an Otmar Richter (links)


Der Verein hatte sich zunächst der dem Verband DIWA (Diving Instructor World Association) angeschlossen, der den Mitgliedern die volle Anerkennung der in der DDR erlangten Qualifikationen anbot. 1994 folgte ein Wechsel zum Verband Europäischer Sporttaucher. Bereits ein Jahr später – im Oktober 1995 - wurde der Verein zum VEST-Ausbildungszentrum für Berlin und Brandenburg ernannt. Seither wurden hunderte Sporttaucher durch die Tauchlehrer des Tauchsportklubs aus- und weitergebildet.

In den 1990er Jahren lag der Fokus des Vereinslebens vor allem in der Tauchausbildung und den Tauchfahrten. Die neugewonnene Reisefreiheit wurde in vollen Zügen ausgenutzt. Die Mitglieder des Tauchklubs Adlershof bereisten nahezu alle Ecken der Welt. Sie schilderten ihre Erlebnisse auf Vorträgen an den jede Wochen Donnerstag stattfindenden Vereinsveranstaltungen und in den Adlershofer Flossenblättern. Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt in der Tauchhistorie. Die Taucherveteranen des Vereins hatten uns ihre historische Tauchgegenstände überlassen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Kellerarchäologie“. Zahlreiche Utensilien aus den Anfangsjahren des Sporttauchens konnten auf verstaubten Böden entdeckt und in mühevoller Kleinarbeit restauriert werden. So entstand im Laufe der Zeit eine beachtliche Sammlung einzigartiger Zeugnisse der Tauchgeschichte. 


Blick in eine Viriene des Sporttauchermuseums Berlin


Bedingt durch die Historie des Vereins lag der Sammlungsschwerpunkt auf Exponaten aus der ehemaligen DDR. Mittlerweile umfasst die Sammlung mehrere hundert Exponate aus über 70 Jahren Sporttauchergeschichte. Die Exponate zeugen davon, wie sich das Sporttauchen im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Ausgestellt sind unter anderem selbstgebaute Kompressoren, Unterwasserkameras, Blitzlichtgeräte, Tauchanzüge, Atemregler und sonstige Tauchutensilien…und natürlich Erinnerungen auf Fotos und Videos.



Zum 1. Januar 2009 hatte der Tauchsportklub Adlershof e.V. mit dem Pro Sport Berlin 24 e.V. fusioniert. Im Fusionsvertrag war geregelt, dass die Sportgruppe als „Tauchsportklub Adlershof im Pro Sport Berlin 24 e.V.“ fortgeführt wird. Die Adlershofer Taucher bezogen das Bootshaus in der Wendenschloßstraße 420. Es erfolgten umfangreiche Umbaumaßnahmen und Umbau- und Modernisierungsarbeiten. Nach dem Umzug in das neue Objekt an der Wendenschlossstraße gab es endlich Platz für die Ausstellungsstücke. Doch es dauerte noch weitere fünf Jahre bis das Sporttauchermuseum eröffnet werden konnte. Die feierliche Eröffnung des Museums erfolgte anlässlich des Internationalen Museumstages am 18. Mai 2014. Der Museumstag stand unter dem Motto „Sammeln verbindet“.


Helmtauchvorführung anlässlich des Museumtages


Auch der Umweltschutz ist ein wesentliches Thema für die Vereinsmitglieder. Regelmäßig treffen sich die Taucher zu Umwelttauchaktionen. Teilweise holten sie ganze Lkw-Ladungen voll Müll aus dem Wasser. Für das hohe Engagement und die langjährige Tätigkeit im Ehrenamt wurde der Tauchsportklub Adlershof im Pro Sport Berlin 24 e.V. mit mehreren Preisen ausgezeichnet. So wurde am 7. Februar 2012 den Adlershofer Tauchern von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel der „Stern des Sports“ in Gold für das Projekt „Umwelttauchen – Wir gehen den Dingen auf den Grund“ überreicht. Im gleichen Jahr erhielten sie auch den "Umweltpreis des Berliner Sports". Übergeben wurde der Preis durch den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.


Adlershofer Taucher befreien die Berliner Seen von Unrat


Die Adlershofer Taucher können stolz auf ihre Arbeit zurückblicken. Mit breiter Unterstützung und persönlichem Engagement der Mitglieder wird es unter dem Dach des Pro Sport Berlin 24 e.V. auch weiterhin gelingen, Tauchausbildung und Training, verschiedenste Tauchausfahrten, Info- und Vereinsabende abwechslungsreich zu gestalten und dafür zu sorgen, dass Tauchbegeisterte im Sportverein Freundschaften und ein zweites Zuhause finden.

 

Dr. Roger Blum

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