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Rotfeuerfische: Die ungeliebten Eindringlinge

Aktualisiert: 22. Jan.

Die bizarren Rotfeuerfische, die normalerweise im Roten Meer und im Indischen Ozean vorkommen, verbreiten sich stark in der Karibik. Da sie sich sehr schnell vermehren, in der neuen Umgebung kaum natürliche Feinde haben und sehr gefräßig sind, können sie die Artenvielfalt an den Riffen gefährden.



Beim Tauchen vor der Küste der Dominikanischen Republik hatte ich erwartet, viele Doktor- und Kaiserfische zu sehen. Stattdessen sah ich bei fast jedem Tauchgang die - normalerweise aber nicht in der Karibik heimischen - Rotfeuerfische. Bis zu zwanzig Exemplare während eines Tauchgangs. Aber Vorsicht! Die Strahlen der Rückenflosse dieser eleganten Fische enthalten ein starkes Gift, das sehr schmerzhaft und tödlich sein kann. Der Fisch ist ein Paradebeispiel für die natürliche Ausbreitung einer reisefreudigen Art. Das Fatale an der „Rotfeuerfisch-Invasion“: Sie verdrängen heimische Fischarten.


Attraktiv, aber äußerst gefräßig – Rotfeuerfische (hier vor Grenada) gefährden die Riffe der Karibik


Auch in Kuba, Mexiko, Bonaire und vielen weiteren Teilen der Karibik sind mittlerweile die Biologen alarmiert. Bei den ungebetenen Gästen in den karibischen Gewässern handelt es sich um Rotfeuerfische (engl. Lionfish). Mindestens zwei Arten, die ihren Ursprung im tropischen Indopazifik und Roten Meer haben, machen es dem heimischen Fischbestand schwer: Pterois volitans und Pterios miles.


Ein zerstörerischer Riffbewohner – Rotfeuerfische gelten als Bedrohung für ein Ökosystem


EXKURS: GIBT ES EINEN UNTERSCHIED ZWISCHEN PTEROIS VOLITANS UND PTEROIS MILES ?


Die Frage, ob es sich bei Pterois volitans und Pterois miles um zwei unterschiedliche Arten handelt wird kontrovers diskutiert. In der Literatur unterscheiden einige zwischen dem nur im Indopazifik beheimateten Pazifischen Rotfeuerfisch (Pterois volitans) und dem Indischen Rotfeuerfisch (Pterois miles), der nur im Roten Meer beheimatet sein soll. Unterscheidungsmerkmal seien die schwarzen Punkte auf den unpaarigen Flossen, die beim Indischen Rotfeuerfisch fehlen. Molekularbiologische Studien konnten aber keinen Unterschied bestätigen. Auch andere Arten des P.volitans, die als P. russeli, P. muricata und P.mahe bekannt sind, werden von einigen Biologen in Frage gestellt. Rotfeuerfisch-Spezialisten sind überzeugt, dass es nur den Pazifischen Rotfeuerfisch in unterschiedlichster Färbung und Flossenform gibt.


Rotfeuerfische haben eine ausgeklügelte Jagdtechnik. Zunächst warten sie, mit ihrer bunten Färbung perfekt in den Korallen getarnt, auf kleinere Beutefische. Sobald ein Opfer naht, schwimmt der Feuerfisch mit langsam aufgestellten Flossen langsam darauf zu und vollführt einen betörenden Tanz der die Beute so verwirrt oder hypnotisiert, dass sie zu fliehen vergessen. Wenn er sein Opfer erreicht hat, reißt er sein Maul auf und schnappt zu. Das Opfer wird wie von einem Staubsauger in den Schlund des Räubers hineingesaugt.


Bizarre Schönheiten - Rofeuerfische


Rotfeuerfische sind mittlerweile an fast allen Riffen der Karibik anzutreffen. Aufgrund ihrer guten Anpassungsfähigkeit und mangels Fressfeinden vermehren sie sich stark und verdrängen dabei häufig einheimische Fischarten.



Die ursprüngliche Heimat der 45 Zentimeter langen Fische mit dem auffälligen Muster aus weißen und rostroten Streifen liegt im Indischen Ozean und Roten Meer. Wie sie in die Karibik und den Nordatlantik gelangten ist ungeklärt. Sind sie über den Panama-Kanal eingewandert? Oder waren sie dem einen oder anderen Aquarianer überdrüssig und wurden ausgesetzt? Eine verbreitete Theorie geht davon aus, dass die Invasion 1992 begann. Während dem Hurrikan „Andrew“ soll ein Aquarium an der Küste Floridas zerstört worden sein, aus denen sechs Feuerfische in das umliegende Meer entkommen sein sollen. Die Ur-Invasoren.


Rotfeuerfische vor der Dominikanischen Republik und vor Bonaire


Ihre Nachkommen haben sich tausende Kilometer nach Süden vorgekämpft. Die Fische haben sich an das Leben in der Karibik und im Atlantik angepasst, ihre Population wird ständig größer – zu Lasten einheimischer Arten. Denn sie fressen alles was ihnen vor ihr Maul kommt. Pro Monat kann ein Feuerfisch bis zu 30.000 Eier produzieren. Der Rotfeuerfisch und seine ungestört heranwachsende Brut fressen dabei den kompletten Fischbestand der Korallenriffe und bedrohen das empfindliche Ökosystem. Feinde haben sie kaum. Selbst Haie machen einen Bogen um die Giftfische. Nur Zackenbarsche, die auch in der Karibik zu Hause sind und die Feuerfische ungeachtet ihrer Giftstachel gern fressen, könnten den Bestand dezimieren. Solange diese aber von Anglern gefischt werden, haben die Feuerfische freie Fahrt.


Biologen haben die Ausbreitung beobachtet. Nachdem der erste freilebende Rotfeuerfisch im Jahre 1992 vor der Küste von West Palm Beach aufgetaucht war (ein Argument für die Aquarium-Theorie), wurden Exemplare im Nordatlantik vor der amerikanischen Küste bis hinauf nach North Carolina und Long Beach, New York, beobachtet, sowie in der Karibik vor den Bermudas, Bahamas, Mexiko, Costa Rica, Honduras, Bonaire (26. Oktober 2009), Cayman Islands, Venezuela bis nach Kolumbien.


Rotfeuerfische vor der Dominikanischen Republik und Curacao


Das Vordringen der Rotfeuerfische ist offensichtlich unumkehrbar. Wie auch soll die Art aus den Gewässern wieder verdrängt werden? Die Behörden der Karibikstaaten kämpfen mit verschiedensten Maßnahmen und Strategien, um der weiteren Verbreitung des Feuerfisches Einhalt zu gebieten. Während in Curacao von der Regierung an Gruppen von Fischern und Tauchern besonderes Fanggerät zur Verfügung gestellt wird, versucht man auf den Bahamas und den Cayman Inseln durch eine Etablierung des gefräßigen Räubers als Speisefisch die weitere Ausbreitung zu kontrollieren. Denn das Fleisch des Rotfeuerfischs ist essbar. Durch kochen im heißen Wasser verliert es sein Gift. Andere Nachbarländer wie Jamaika, Puerto Rico, Turks-und Caicosinseln, die Dominikanische Republik, Bonaire und die Britischen Jungferninseln bekämpfen den Eindringling ebenfalls mit verschiedenen Initiativen.


Infoschild am Strand von Curacao


In einem Experiment aus dem Jahr 2009 wurden Taucher engagiert, die eineinhalb Jahre lang jeden Monat die Eindringlinge an 24 Riffabschnitten absammelten. Ergebnis der Studie war, dass je nach Ort 25 bis 92 Prozent der Eindringlinge abgesammelt werden mussten, damit die Übriggebliebenen nicht wieder zu viele Beutetiere fraßen und bis zu 70 Prozent der einheimischen Fische wieder in die Riffe zurückkehrten.


Nachtrag (2016): Auch im Mittelmeer fühlen sich die exotischen und giftigen Rotfeuerfische immer wohler. So haben sie innerhalb eines Jahres fast die gesamte Südostküste von Zypern besiedelt, schreiben Forscher der Mittelmeerinsel und der britischen Universität Plymouth im Fachmagazin „Marine Biodiversity Records“. Zuvor hat es den Angaben zufolge nur wenige Sichtungen im Mittelmeer gegeben. Als Ursache werden die steigenden Wassertemperaturen und die Verbreiterung des Suezkanals gesehen.


Quellen: Hannah Hoag: „Bounty hunters“ in Nature 513, S.29-295, 2014 Jan Dönges: „Rotfeuerfsch dringt ins Mittelmeer vor“ in Spektrum.de vom 28.6.2016

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