Lanzarote: Haie am Waikiki-Riff und der Schiffsfriedhof vor Puerto del Carmen
- Steven Blum

- 10. Feb.
- 5 Min. Lesezeit
Lanzarote bietet ganzjährig vielfältige, eindrucksvolle Tauchplätze. Es locken neben Haien, Barrakudas, Rochen, farbenfrohen Nacktschnecken sogar mehrere Wracks. Mit Georg und Pia vom Aquatis Diving Center erkundeten wir das Waikiki-Riff und den Schiffsfriedhof vor Puerto del Carmen.

Waikiki im Atlantik Unser erstes Tauchziel war das Waikiki-Riff bei Puerto del Carmen. Der Tauchplatz ist geprägt von einer schroffen Felslandschaft, bizarren Lavaformationen und Sandebenen. Es besteht die Möglichkeit das Riff in östlicher oder in westlicher Richtung abzutauchen. Der östliche Teil des Riffs endet bei etwa 18 m Tiefe, der westliche Teil bei 30 – 35 m. Uns erwartete klares Wasser mit Sichtweiten von weit mehr als 20 m.
Zunächst tauchten wir über eine kleine Felsgruppe den Sandabhang in Richtung Felsriff ab. Immer wieder schaute ich auf den Sandgrund, da hier oftmals Stachelrochen, Schmetterlingsrochen, Zitterrochen oder Engelhaie anzutreffen sind. Und tatsächlich zog bereits am Anfang des Tauchgangs ein ca. 1,20 m langer Engelhai (Squatina squatina) gemächlich an uns vorbei. Der auch als Meerengel bekannte Hai hat einen stark abgeflachten Rumpf, wodurch er eher wie ein langer Rochen als ein Hai wirkt. Meist liegen den Engelhaie auf dem Meeresgrund oder graben sich in den Sand ein, um auf Beutetiere zu lauern.

Der exotische Name des Tauchplatzes verspricht viel. Und tatsächlich bot das Waikiki-Riff tropische Eindrücke. Die Kanaren bilden die Schnittstelle zwischen nordatlantischer und tropischer Flora und Fauna. Rote Kanaren-Seesterne (Narcissia canariensis), Anemonen (Isarachnanthus cruzi) und gelbe Schwämme boten schöne Farbtupfer am Fels. Selbst eine Orangene Koralle gibt am Waikiki-Riff.
Wir entdeckten auf den Felsen wahre Schmuckstücke im Kleinformat. Zarte Flabellina-Fadenschnecken (Flabellina affinis) saßen mit ihren filigranen, leuchtenden Fortsätzen auf dem Gestein, als bestünden sie aus nichts als Farbe und Licht. Daneben krochen Gelb-violette Sternschnecken (Hypselodoris picta) über die Algenbewüchse – so auffällig gefärbt, dass man kaum glauben konnte, wie lange sie unserem Blick zuvor entgangen waren.
Auch die Fischvielfalt erinnerte teils an tropische Riffe: Makaronesische Spitzkopfkugelfische (Canthigaster capistrata), Ostatlantische Trompetenfische (Aulostomus strigosus), Barrakudas und Schwarze Muränen (Muraena augusti). Wir bewegten uns entlang einer Riffwand und erreichten eine kleine Schlucht mit einem großen Felsüberhang. Hier erwartete uns bereits ein neugieriger Brauer Zackenbarsch (Epinephelus marginatus). Entlang des Felsens konnten wir Schwärme von Riffbarschen, Marmor- und Bindenbrassen, Goldstriemen und die farbenfrohen Meerpfauen beobachten.

Der Rückweg führte uns entlang einer erstarrten Lavazungeüber einen flachen sandigen Untergrund. Auf dem flachen Grund sahen wir perfekt getarnte Lauerjäger: Petermännchen (Trachinus draco / T. radiatus) und Eidechsenfische (Synodus saurus). Beide Arten sehen auf den ersten Blick recht ähnlich aus. Sie graben sich häufig in den Sand ein, so dass nur der Kopf hervorschaut. Im Gegensatz zum ungefährlichen Eidechsenfisch haben die Petermännchen giftige Stacheln am Kiemendeckel und an der vorderen Rückenflosse. Der Stich verursacht sehr starke Schmerzen und kann in Extremfällen den Taucher sogar in Lebensgefahr bringen. Also Achtung.
Eidechsenfisch (Synodus saurus)
Schermesserfische (Xyrichtys novacula) schwammen durchs Freiwasser, während perfekt getarnte Weitaugenbutte (Bothus podas) erst im letzten Moment ihre Konturen verrieten und sich wie flache Schatten vom Boden lösten. Besonders eindrucksvoll waren die zahlreichen Sepien (Sepia officinalis), die mit ihren schimmernden Farbwechseln wirkten, als würden sie ständig ihre Stimmung neu einstellen.
Ein weiterer Höhepunkt wartete jedoch etwas abseits: eine Kolonie Röhrenaale (Heteroconger longissimus, spanisch „Anguila jardinera“). Wie ein lebendiges Seegrasfeld ragten ihre schlanken Körper aus dem Sand. Kaum kamen wir näher, husch – verschwanden sie blitzschnell rückwärts in ihren Wohnröhren, nur um Sekunden später neugierig wieder aufzutauchen. Ein scheues, faszinierendes Schauspiel mitten im Blau.

Es machte viel Spaß das Waikiki-Riff zu erkunden. Es fühlte sich an wie eine Schatzsuche unter Wasser. Wir tauchten über den Meeresgrund, die Augen stets auf der Suche nach Bewegung, Farben oder verräterischen Schatten im Sand. Hinter jedem Felsen, in jeder Felsspalte konnte sich neues Leben verbergen – und genau dieses neugierige Entdecken machte den Tauchgang so besonders.
Der Schiffsfriedhof von Puerto del Carmen
Unseren zweiten Tauchgang unternahmen wir direkt an der Hafenausfahrt von Puerto del Carmen. Hier befindet sich ein faszinierendster Tauchplätze: Pecios de Puerto del Carmen. Er ist einer der wenigen Wracktauchplätze der Kanaren. Es handelt sich um einen regelrechten Schiffsfriedhof. 1986 versenkte man an dieser Stelle sieben Schiffe, angeblich allesamt ehemalige Sardinenfischerboote. Heute liegen ihre Rümpfe verstreut auf dem Meeresboden wie Relikte aus einer anderen Zeit – vom Ozean erobert, von Korallen, Schwämmen und Fischschwärmen belebt. Eines dieser Wracks wurde allerdings bereits durch heftige Stürme eine größere Tiefe gerissen.
Die übrigen sechs Wracks lassen sich problemlos betauchen. Sie liegen so dicht beieinander, dass man sich fühlt, als würde man durch eine versunkene Nachbarschaft schweben. Verteilt zwischen 12 und 40 Metern Tiefe bietet der Platz alles: vom tiefen, geheimnisvollen Stahlkoloss bis zum lichtdurchfluteten Wrack, das fast schon im Blau der Oberfläche schwebt. Erstaunlicherweise sind ausgerechnet die Wracks im flacheren Wasser am besten erhalten. Direkt an der Außenmole des Hafens von Puerto del Carmen liegend, trotzen sie seit Jahrzehnten Wind, Wellen und Salz. Ihre Strukturen sind noch klar zu erkennen, als hätten sie sich geweigert, vollständig dem Meer zu gehören. Nur eines der Schiffe hatte weniger Glück: Bei der künstlichen Erweiterung des Wellenbrechers von Puerto del Carmen wurde es zur Hälfte unter Schutt und Steinen begraben.

Zwischen den zerfallenen Wracks eröffnet sich eine fast surreale Unterwasserwelt, die wie gemacht ist für außergewöhnliche Fotos. Verrostete Spanten, von Schwämmen und Algen überwuchert, bilden die Kulisse für Begegnungen mit erstaunlichen Meeresbewohnern: Gut getarnt hockten Drachenköpfe (Scorpaena elongata) auf dem Metall, als wären sie selbst Teil des Wracks. Dazwischen leuchteten die farbenprächtigen Nacktschnecken Hypselodoris picta wie kleine, schwebende Kunstwerke. Und immer wieder zogen mächtige Zackenbarsche (Epinephelus marginatus) gemächlich an uns vorbei – die lautlosen Wächter dieser versunkenen Welt.
Teilweise konnten wir sogar in das Innere der Wracks hineinschwimmen. Das Licht fiel nur in dünnen Strahlen durch zerbrochene Luken und tauchte alles in eine gespenstische Stimmung. Und dann wurde es "unheimlich". Zwischen den Aufbauten starrte uns plötzlich ein kleines Gesicht entgegen: Chucky, die berüchtigte Mörderpuppe. Irgendein Taucher musste sie hier hinterlassen haben – eine bleiche Plastikfratze mitten im stillen, blauen Nichts.
Fazit:
Für alle, die der mitteleuropäischen Winterkälte entfliehen möchten, finden auf Lanzarote mehr als nur Sonne und milde Temperaturen. Die raue, fast außerirdisch wirkende Vulkanlandschaft, die schwarzen Lavafelder und die lodernden Farben der Feuerberge im Timanfaya-Nationalpark machen die Insel zu einem Erlebnis für alle Sinne. Unter der Wasseroberfläche wartet eine faszinierende Mischung aus zerklüfteten Lavaformationen, geheimnisvollen Wracks und einer überraschenden Begegnung zweier Welten: nordostatlantische Arten treffen hier auf tropische Gäste – eine Kombination, die jeden Tauchgang spannend macht. Lanzarote ist kein Ort, den man nur besucht – es ist ein Ort, der bleibt. Lasst euch von der Kanareninsel verzaubern...
Basistipp: Wir tauchten mit den Tauchern des Aquatis Diving Center. Die Tauchbasis befindet sich im Urlaubsort Costa Teguise an der Ostküste der Insel, nur wenige Autominuten von Arrecife entfernt. Die Basis befindet sich an der Strandpromenade des Strandes Playa de los Charcos, in einer geschützten Bucht im Norden des Ortes.
Aquatis Diving Center in Costa Teguise an der Playa de los Charcos
Die unter deutscher Leitung stehende Tauchbasis wird von Georg von Grundherr geführt. Alle Teammitglieder waren sehr freundlich, hilfsbereit und wir fühlten uns gleich gut aufgehoben. Die Basis und das Equipment waren sehr sauber und gepflegt. Zwischen den Tauchgängen gab es warme Suppe und Kekse zur Verpflegung und nach dem Tauchen stand eine warme Dusche zur Verfügung. Auch die Abholung und der Transport waren sehr gut organisiert. Wir fühlten uns rundum sehr gut betreut und können die Tauchbasis auf jeden Fall weiterempfehlen.
Kontakt:
Aquatis Diving Center
Playa de Las Cucharas, local 6,
35508 Costa Teguise
Lanzarote
www.diving-lanzarote.net
info@diving-lanzarote.net
Tel: +34 928 59 04 07
(Stand: Februar 2016)































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