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Rückkehr in den Regenwald

Besuch bei den Embera im Chagres Nationalpark


Affengebrüll hallt durch den dichten mittelamerikanischen Regenwald. Unser Kanu gleitet den grünbraunen Rio Chagres entlang, dem wichtigsten Fluss des Landes. Links und rechts am Ufer erstreckt sich undurchdringliches Urwald-Dickicht. Grün. Sattes Grün, überall wohin man schaut. Am blauen Himmel hoch über uns kreisen Truthahngeier in der Thermik. Vögel zwitschern, pfeifen, tröten, meckern in allen Tonlagen und übertönen das Geschrei der Brüllaffen. Wir befinden uns im Chagres-Nationalpark in Panama.



Der 1985 gegründete Nationalpark befindet sich im Herzen Panamas zwischen den Provinzen Panama-City und Colon. Er hat eine Ausdehnung von 129.000 Hektar und wird zu einem großen Teil durch tropischen Regenwald aber auch Trocken- und Nebelwald bedeckt. Durch ihn fließt der Chagres River, einer der wichtigsten Flüsse des Landes.


Der Kanal hat Panama berühmt gemacht


Der Chagres-Nationalpark befindet sich östlich des berühmten Panamakanals. Das mehr als 100 Jahre alte Meisterstück der Technik wird jährlich von mehr als 14.000 Schiffen passiert. Der Chagres River liefert das Wasser, das für den Betrieb der Kanalschleusen benötigt wird. Ohne seine Wassermassen hätte die wirtschaftliche Lebensader Panamas nie gebaut und erst recht nicht aufrechterhalten werden können. Daher hat die Regierung die Waldareale um den Fluss herum unter Naturschutz gestellt.



Obwohl nicht mal so groß wie Bayern, gibt es hier in Panama mehr Tier- und Pflanzenarten als in ganz Nordamerika und Europa zusammen


Der tropische Regenwald in Panama zählt zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Hier gibt es mehr als 10.000 einheimische Pflanzen-, rund 1000 Vogel- und mehr als 200 Säugetierarten. Damit beheimatet das kleine mittelamerikanische Land mehr Tier- und Pflanzenarten als ganz Nordamerika und Europa zusammen. Begünstigt wurde das Entstehen dieser Artenvielfalt unter anderem durch die Bildung der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika vor über drei Millionen Jahren, das heutige Zentralamerika. So konnten sich Fauna und Flora beider Kontinente treffen und miteinander vermischen.


Bluttangare (Tangara episcopus), Scharlachbauchtangare (Ramphocelus dimidiatus) und Rotschwingen-Maskentyrann (Myiozetetes cayanensis)


Der Chagres-Nationalpark bietet einer reichen Flora und Fauna Lebensraum. Baumriesen, Schlingpflanzen und mehrere Palmenarten prägen das Bild. Schöne Orchideen und farbintensive Bromelien bieten ausgefallene Fotomotive. Unter den zahlreichen Arten von Vögeln befindet sich auch der Panamaspecht (Piculus callopterus) und der Harpyie, ein großer, kräftig gebauter Greifvogel, welcher die tropischen Wälder Mittel- und Südamerikas bewohnt. Auch farbenfrohe Tangaren, Tyrannen, Tukane, Töpfervögel und Kolibris bieten imposante Motive.


Im dichten Regenwald am Chagres sind auch Jaguar und andere Großkatzen zu Hause. Verschiedene Arten von Affen hangeln sich durch das Dickicht, darunter Kapuzineräffchen (Cebus sp.), Brüllaffen (Alouatta palliata) und Geoffroy-Klammeraffen (Ateles geoffroyi). Im Chagres und und seinen Zuflüssen leben zahlreiche Süßwasserfische, Kaimane und Krokodile. Ursprünglich wurde der Fluss von Christoph Kolumbus als Rio de los Lagartos, Fluss der Krokodile, bezeichnet. Leider sehen wir während unserer Fahrt kein Krokodil. Die sind weiter flussaufwärts erklärte unser Guide.


Am Chagres leben Indios zwischen Tradition und Moderne


Plötzlich tauchen im satten Grün des Regenwalds einige Hütten mit Palmendächern auf. Sie sind Teil eines indigenen Dorfes, dessen Besuch zu den touristischen Highlights des Nationalparks gehört. Hier am Chagres River gibt es drei Siedlungen der Embera-Indianer, welche ihr Leben noch auf traditionelle Weise im Einklang mit der Natur führen. Wir legen an und barfüßige Indio-Kinder eilen uns neugierig entgegen. Ihre älteren Geschwister begrüßen uns mit Trommeln, Flöten und Rasseln.


„Bienvenidos a Parara Puru“ heißt man uns willkommen. Parara Puru bedeutet soviel wie Palmendorf. In dem Dorf leben 78 Einwohner. Es gibt keine Computer und Fernseher, die Kinder werden von Lehrern unterrichtet, die täglich mit dem Boot hergebracht werden. Die Embera heiraten nur untereinander und verwalten sich weitgehend selbst. Sogar ein kleines Gefängnis gibt es.



Die Embera sind eine der sieben indigenen Volksstämme in Panama. Ihre Vorfahren kamen in den 50er-Jahren aus einer Provinz, aus einem Gebiet in der Nähe der kolumbianischen Grenze. Als Paramilitärs, Waffenschieber und Drogenbanden über die Grenze aus Kolumbien kamen und wahllos um sich schossen, flohen mehrere Indianerfamilien aus ihrem Siedlungsgebiet im Osten des Landes und fanden in den Regenwäldern Panamas eine neue Heimat. Anfangs durften sie hier im Regenwald jagen und stellten Tapiren, Jaguaren und anderen Wildtieren nach.


Nachdem der Nationalpark gegründet wurde und ihre traditionelle Tätigkeit der Jagd hier verboten wurde, konzentrierten sich die Indianer auf den Fischfang und den Anbau von Bananen. Da dies nicht zum Überleben reichte, begannen sie sich auf Ökotourismus zu spezialisieren. Anfangs hatten sie nur einen Einbaum und es kamen nur drei bis fünf Besucher pro Monat. Unterstützt vom Staat durch Geld und Kontakte bauten sie dies aus. Heute sind Ausflüge zu den Embera-Indianern fester Programmpunkt vieler Reiseveranstalter.



Die Männer tragen die typische Tracht, einen knapp sitzenden, von Hand gefertigten Rock aus bunten Perlen, über den ein Lendenschurz drapiert ist. Die Oberkörper sind kunstvoll bemalt. Die Farbe gewinnen die Indios aus der Jagua-Frucht, die im Urwald gedeiht und deren Saft Insekten abwehrt. Die Frauen des Dorfes erscheinen in einem „Paruma“, einem bunten Wickelrock, mit Pailetten bestickte Tops und eine Krone aus Hibiskus-Blüten.


Nach einigen Erläuterungen über das Leben im Dorf beginnen die Indios mit der Vorführung eines rituellen Tanzes.



Ein Ausflug zu den Embera mag etwas touristisch erscheinen. Natürlich. Ich bin mir sogar sicher, dass die Dorfbewohner ihre traditonelle Trachten mit Jeans und T-Shirt tauschen, wenn die Touristen das Dorf wieder verlassen haben. Doch durch den Besuch, unterstützt man die Dorfbewohner. Im Gegensatz zu anderen Indio-Stämmen ist hier Kinderarbeit auf den Kaffeeplantagen kein Problem. Durch den Ökotourismus haben sich die Embera eine Zukunft aufgebaut. Sie können Tradition und Kultur erhalten und schaffen die schwierige Balance zwischen Tradition und Moderne.

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