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Paradiesvögel der Fjorde

Aktualisiert: 20. Jan.

Im Juni verbrachte ich zwei Wochen in Norwegen. Zu dieser Zeit sorgt die Mitternachtssonne für fast taghelle Nächte, die Kelpwälder sind in voller Pracht und die Fische haben sich noch nicht in das tiefere, kalte Wasser zurückgezogen. Die kürzeste Nacht des Jahres erlebte ich nördlich von Stavanger am Nedstrandfjord. Laut Seekarte fällt das Ufer hier steil bis auf über 100 m ab. In der Mitte des Fjords werden sogar Wassertiefen um 500 m erreicht. Der Fjord ist ein beliebtes Angelrevier zum Fang von Dorsch, Seelachs, Pollack und Schellfisch. Ein häufiger Beifang sind Dornhaie.


Am Nedstrandfjord konnte ich erstklassige Tauchgänge unternehmen. Der Flachwasserbereich ist dicht mit Kelp bewachsen. Ein Tauchgang in diesem Unterwasserdschungel sollte man unbedingt erlebt haben. Ich war überrascht von der farblichen Vielfalt: farbenprächtige Anemonen, Seesterne und große Sonnensterne, Nacktschnecken, Taschenkrebse und viele Plattfische. Am Abend konnte der Grill mit eigener Beute bestückt werden. Am auffallendsten war jedoch ein etwa 30 cm langer Fisch mit leuchtend blauen Kopf und orangen Längsbändern. Im Land der Fjorde und Trolle heißt er Rødnebb, was Rotschnabel bedeutet, bei uns - Kuckuckslippfisch. Er gilt als der farblich prächtigste Fisch in den norwegischen Gewässern und ist ein wahrer Hingucker für Taucher.



Allerdings sind die schillernd bunten Paradiesvögel der Fjorde immer Männchen. Frau Kuckuckslippfisch ist dagegen schlicht braun gefärbt. Früher hielten sogar Wissenschaftler beide Geschlechter für verschiedene Fischarten. Der Kuckuckslippfisch ist ein ungewöhnlicher Fisch. Eine Besonderheit ist, dass alle Kuckuckslippfische als Weibchen geboren werden und erst nach rund sieben Jahren ihr Geschlecht wechseln. Um die deutlich jüngeren Weibchen allein beanspruchen zu können, gibt der zum Mann gewordene Kuckuckslippfisch ein Hormon ins Wasser ab um andere Weibchen daran zu hindern ebenfalls männlich zu werden. Dann besitzt der "Pascha" mehrere Haremsweibchen, die eifersüchtig bewacht werden.



Am Mittsommertag wollte ich Fotos der scheuen Lippfische machen. Bei strahlendem Sonnenschein und spiegelglatter See zeigte sich der Nedstrandfjord von seiner schönsten Seite. Ich ging erst am Nachmittag ins Wasser und schwamm entlang der 10-m Tiefenlinie als ich plötzlich auf einem Sandbett die Umrisses eines großen Fisches erkannte. In tropischen Gewässern hätte ich einen Engelshai oder einen Wobbegong (Teppichhai) vermutet, doch hier konnte es nur einen geben – einen Seeteufel. Die norwegische Unterwasserwelt sorgt stets für überraschende Taucherlebnisse. Wer hierher fährt, sollte neben einer Angel unbedingt Flossen und Maske im Gepäck haben!


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