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Eine halbe Klubfahrt in die Türkei

Wie bereits im vergangenen Jahr begleiteten Roland und ich eine Schülergruppe des Philippe-Cousteau-Gymnasiums auf ihrer Projektwoche nach Kas in die Türkei. Doch diesmal hatten wir uns noch einige Unterstützung aus dem Klub mitgebracht: Kerstin, Sylvio und Julia. Man kann also schon fast von einer halben Klubfahrt sprechen.


Wir wohnten wieder bei Süleyman („Sülo“) in der Hilal Pension in Kas und tauchten mit Erol und seinem Team von der Tauchbasis „Sundiving“. Acht der insgesamt vierzehn mitgereisten Schüler sollten hier ihre Taucherpremiere feiern. Während wir die herrlichen Tauchplätze von Kas erkundeten, übten sie sich in Flossenschlag und Feintarierung. Der Rest der Schüler waren „Wiederholungstäter“, die hier bereits im letzten Jahr ihren Tauchschein gemacht hatten. Das ehemalige Fischerstädtchen Kas bietet für Taucher faszinierende und vielfältige Möglichkeiten. Neben einer Unterwasserausstellung, einem Flugzeugwrack und mehreren Schiffswracks trifft man immer wieder große Amphorenfelder. Flughähne breiten auf den Seegraswiesen ihre blauschimmernden Flügel aus und Muränen und Oktopusse schauen aus dunklen Spalten und Ritzen. In der Bucht von Kas leben auch fünf der letzten 500 Robben im gesamten Mittelmeer. Ein Exemplar der seltenen Mönchsrobben wurde sogar von unserer Gruppe – mit Ausnahme von mir – beobachtet. Kerstin und Sylvio sahen auch Delphine, eine Schildkröte, Rochen und Bärenkrebse.




Einer der Toptauchplätze ist der "Canyon". Der in der ehemals tauchverbotenen Zone gelegene Felseinschnitt wird von zwei mit farbenprächtigen Schwämmen bewachsenen Steilwänden gebildet. Die Wände fallen bis auf knapp 25 Meter senkrecht in die Tiefe ab. Wir folgten den sich öffnenden Wänden in die Tiefe und stießen nach einem Gleitflug bis auf ca. 30 m direkt auf den Rumpf eines griechischen Bauwollfrachters aus den 50er Jahren. Nachdem das Schiff auf das nahegelegene Felsriff aufgelaufen war, entschied man sich, die Maschine des Baumwollfrachters zu bergen und einen Teil des Schiffes vom Riff herunter zu sprengen. Trotz seines Alters befindet sich das Wrack in gutem Zustand und wir konnten es bis in eine Tiefe von 40 – 50 Metern betauchen. Rings um das Wrack ragen herrlich bewachsene Steilwände eindrucksvoll in die Höhe. Der Blick nach oben offenbarte ein gigantisches Felspanorama. Abgerundet wird dieser spektakuläre Tauchgang durch eine Grotte mit einem Kamin zum Auftauchen, der sich am spitzen Ende des Canyons verbirgt.




Als absolute Tauchattraktion von Kas gilt das Flugzeugwrack einer dreimotorigen Propellermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Es befindet sich auf 60 Meter Tiefe am Abgrund des A-Riffs. Leider ist über das Wrack nur wenig bekannt. Berichten zufolge handelt es sich um ein italienisches Kurierflugzeug vom Typ Savoia Marchetti SM 79 I „Sparviero“ (“Sperber”), welches im Jahre 1941 abgestürzt ist. Wer hier jedoch ein komplettes Flugzeugwrack erwartet kommt ein paar Jahre zu spät. Nur noch die drei Propeller erinnern an ein Flugzeug. Dieser Tauchgang war für uns eine faszinierende Herausforderung. Wegen der großen Tiefe und der Strömung eignet sich dieser Tauchplatz nur für Fortgeschrittene.





Beim Auftauchen begegneten wir mehreren kapitalen Zackenbarschen und dösenden großen Skorpionsfischen. Der Tauchgang endete auf dem Riffdach des A-Riffs zwischen Schwärmen von Mönchsfischen und Brassen. Dazu gesellten sich Einwanderer aus dem Roten Meer, etwa Flöten- und Kaninchenfische, die über den Suez-Kanal „einreisten“.


Tauchertaufe


Während die Schüler am vorletzten Tag unserer Reise für ihre Abschlussprüfung lernten ahnten sie noch nicht, dass bereits die Vorbereitungen für ihre Tauchertaufe liefen, wobei sich insbesondere Kerstin und Sylvio durch besonderen Ideenreichtum und Engagement hervortaten.


Am frühen Abend war es dann soweit. Die Neulinge in Neptun´s Reich hatten gerade ihre Abschlussprüfung erfolgreich beendet, da ertönte eine tiefe Stimme und Neptun´s Häscher betraten die Tauchbasis. Einige Täuflinge wehrten sich, doch die Häscher fingen sie ein und führten sie zum Wasser wo sie die Prozedur über sich ergehen lassen mussten. Dort knieten sie in Erwartung weiterer Befehle nieder. Geschmückt mit Seetang und Maske auf dem Gesicht wurde ihnen dann mittels Trichter und Schnorchel „geweihtes Dekowasser“ (köstliches Efes-Pilsner) verabreicht. Bei den männlichen Täuflingen war der erste Schluck jedoch mit Meerwasser versetzt. Der erste Täufling musste gleich reichlich von dem üblen Gesöff zu sich nehmen. Als die Tauchertaufe vorbei war, verabschiedete sich Neptun bei allen Beteiligten und die Täuflinge wurden von den Häschern ins Wasser geworfen.



Leider ging auch diese Reise wieder viel zu schnell zu Ende. Mit nach Hause nahmen wir Erinnerungen an schöne Tauchgänge, eine erlebnisreiche Wanderung durch die Schlucht von Saklikent, gesellige Abende und nicht zuletzt an Süleyman und dem Personal von der „Hilal Pension“, die von der Ankunft bis zum Abflug jederzeit für uns da waren und die Woche in der Türkei zu einem kurzweiligen und faszinierenden Erlebnis gemacht haben. Und deshalb bin ich mir völlig sicher, dass im nächsten Jahr wieder eine Schülergruppe des Philippe-Cousteau-Gymnasiums gemeinsam mit Tauchern unseres Klubs nach Kas fahren werden!


(Erstveröffentlichung in „Adlershofer Flossenblätter“ Ausgabe 56/2004)

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