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Die Waternymph vor Ahrenshoop

Aktualisiert: 13. Jan.

In den Artikeln „Der Schiffsfriedhof von Ahrenshoop“ (Adlershofer Flossenblätter 65/2007, VEST-Kurier 07/2007, tauchen 05/2009) und „Gestrandet – Schiffswracks zwischen Dierhagen und Zingst“ (Adlershofer Flossenblätter 73/2009 und 74/2009) berichtete ich von einem mysteriösen Schiffswrack, dass bei Ahrenshoop nicht einmal 100 m vom Strand entfernt in nur 3 m Wassertiefe liegt. Nun wurde es identifiziert. Es handelt sich um die am 29. August 1875 gestrandete englische Brigg „Water Nymph“. Mit dem Schiffsunglück verbindet sich eine kuriose Geschichte, die über 100 Jahre lang in Vergessenheit geraten ist.



Die Küstenregion zwischen Dierhagen und Prerow war unter Seeleuten wegen ihrer Untiefen und wandernden Sandbänke gefürchtet. Auch das Schiff, dessen Überreste vor Ahrenshoop liegen, war offenbar den tückischen Untiefen zum Opfer gefallen. Der von Sand bedeckte Schiffsrumpf ist bereits zu DDR-Zeiten von Rettungsschwimmern entdeckt worden. Im Jahre 1995 untersuchte die Rostocker Gesellschaft für Unterwasserarchäologie das Wrack näher. Man hielt es für die 1844 in diesem Küstenabschnitt gestrandete Schmack „Die guten Freunde“. Als das Wrack 2002 genauer untersucht wurde, stellte man jedoch fest, dass es sich nicht um die Überreste der „Die guten Freunde“ handeln konnte. Der 27,25 m lange und 7 m breite Rumpf passte nicht zu einer Schmack. Schmacken sind wesentlich kleiner. Die Dimensionen des Rumpfes legten vielmehr nahe, dass es sich um eine Brigg handelt. Diese stammte wahrscheinlich aus England, denn die Tiefgangs-Markierungen sind in englischen Fuß statt in einer kontinentalen Maßeinheit eingeteilt. Ungewöhnlich ist auch die Lage des Wracks. Es liegt in Ost-West-Richtung, also quer zur Küstenlinie, mit dem Bug zum Meer. Normalerweise stranden Schiffe parallel zum Strand oder mit dem Bug zur Küste.



Den entscheidenden Hinweis zur Identifizierung des Wracks fanden die Unterwasserarchäologen im Vorpommerischen Landesarchiv in Greifswald. Im Jahre 1875 beschrieb der damalige Strandhauptmann Bathke die merkwürdige Strandung einer englischen Brigg namens „Water Nymph“ bei Ahrenshoop. Dem Bericht zufolge hatten Fischer die Besatzung gerettet und der örtliche Strandvogt mit einigen Männern versucht, das Schiff wieder flott zu bekommen. Mit Ankern und Seilen gelang es ihnen, den Bug seitwärts zu wenden, so dass nur noch der Ballast entfernt werden musste. Doch der Kapitän und Besitzer der „Water Nymph“, ein gewisser William Peck, verweigerte sämtliche Anweisungen und beleidigte die Helfer. Am Ende zogen der Strandvogt und seine Männer erfolglos ab. Später fanden sie die Brigg verlassen und mit Wasser vollgelaufen. Das Schiff war nicht mehr zu retten.


Nach der Lektüre des Berichts waren sich die Unterwasserarchäologen sicher, dass es sich bei dem mysteriösen Wrack um die „Water Nymph“ handelt. Den endgültigen Beweis lieferten historische Unterlagen der englischen Versicherungsgesellschaft Lloyd´s. In einem Gutachten von 1840, dem Baujahr des Schiffes, sind zahlreiche Details zur Konstruktion der Brigg aufgelistet, die exakt zum Wrack von Ahrenshoop passen. Anhand dieser Aufzeichnungen konnte nachgewiesen werden, dass es sich um die „Water Nymph“ handelt.



Es bleiben noch die Fragen nach der Ursache der Havarie und dem Grund für Pecks seltsames Verhalten. Vermutlich hat er die „Water Nymph“ absichtlich auf Grund gesetzt, um die Versicherungsprämie zu kassieren. Die Brigg war immerhin schon 35 Jahre alt und einige Monate vorher bei einer Kollision mit einem Dampfer nahe Swinemünde stark beschädigt worden. Offensichtlich vermutete auch Strandhauptmann Bathke Betrug, denn er schrieb an seinen Vorgesetzten: „Empfehlen dürfte es sich, wenn dem K. Peck klargemacht würde“, „dass solche Willkürhandlungen, und ich möchte sagen, Verhöhnungen von Beamten auf deutschem Boden auch selbst einem Engländer nicht gestattet sind.“


Heute deuten nur noch einige aus dem Meeresboden ragende Spanten den Umriss des Schiffskörpers an. Noch deutlich ist die nahezu rechteckige Form mit leichter Rundung zu den Schiffsenden sowie achtern das mit Kupferbeschlägen zusammengehaltene Steuerruder zu erkennen. Das Wrack wird von unzähligen Schwimmgrundeln, Krabben, Ostsee- und Opossumgarnelen sowie von Seeskorpionen und Butterfischen bewohnt und ist immer wieder ein lohnendes Tauchziel.

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